André Perko: Die Spareinlagen sind enorm gewachsen.

André Perko ist Geschäftsführer der FINANCEDOOR GmbH in Frankfurt am Main. Im Interview sprechen wir mit ihm über Corona, daraus resultierende Kurzarbeit sowie Spareinlagen der Deutschen.  

Corona hat für Kurzarbeit, eine schlechte Auftragslage und teils komplett geschlossene Branchenzweige gesorgt, zudem zahlt der Staat die Hilfen häufig zu spät. Glauben Sie diese Faktoren werden Auswirkungen auf die Spareinlagen der Deutschen haben?

André Perko: Ja, sicher. Die Spareinlagen in Deutschland sind seit Beginn der Pandemie enorm gewachsen. Es ist also in der in der Gesamtheit so, der Großteil der Bevölkerung nicht auf sein Erspartes zurückgreifen musste. Trotz Kurzarbeit und dramatischen Einbrüchen in bestimmten Branchen, sind die Einkommen weitestgehend stabil geblieben. Und das alles bei einer wegen Schließung von Geschäften, oder fehlender Urlaubsmöglichkeit verminderten Konsummöglichkeit, das hat die Sparquote der Deutschen auf ein historisches Hoch von ca. 23% im ersten Quartal 2021 ansteigen lassen. Zum Vergleich lag die Sparquote der in den letzten Jahren eher im Bereich von 9-10 Prozent.

Können Sie in Ihrem Beratungsalltag feststellen, dass Menschen häufiger Altersvorsorge- bzw. Investmentprodukte kündigen, weil sie möglicherweise Liquidität benötigen?

André Perko: Eher seltener, ja, aber auch das kommt vor. Gerade Sparer von in Not geratenen Branchen, möchten auf Ihr Erspartes in dieser Krise zurückgreifen. Häufig ist dies ein einfaches Mittel, um die Liquidität zu erhöhen, indem Sparraten reduziert oder ganz ausgesetzt werden. Zur Vermögensbeschaffung wir aber auch der Wunsch auf Kündigung des Spar- oder Altersvorsorgekonzepts geäußert.

Gehen wir davon aus, dass es ein Fehler ist, Altverträge aufgrund zu kündigen?

André Perko: Es ist immer ein Fehler, seinen Spar- oder Vorsorgevertrag zu kündigen, auch ganz unabhängig davon, ob es ein Altvertrag oder Neuvertrag ist. Das eigentliche Sparziel oder Wunsch auf eine auskömmliche Altersvorsorge wird länger bestehen als die Coronapandemie. Inwieweit es besser oder schlechter ist einen Altvertrag aufzugeben, sollte aber immer im Einzelfall geklärt werden.

Welche Alternativen gibt es, um an Barmittel zu gelangen, z.B. die Verpfändung von Verträgen?

André Perko: Wenn der Weg über die zahlreichen aufgelegten Hilfsprogramme nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, ist der traditionelle Kredit natürlich eine Option. Allerdings stellt sich die finanzplanerische Frage, ob es klug ist Schulden zu machen bei bestehendem Vermögen auf der anderen Seite. Das muss sicher individuell geklärt werden. Vorstellbar wäre auch der Verkauf von Verträgen oder die Beleihung. Auch ein Teilverkauf oder Teilkündigung könnten als Optionen zur Geldbeschaffung herangezogen werden. Das Pfand wäre nur eine Absicherung einer neuen Forderung.

Verträge von Bank- und Versicherungsprodukten sind kompliziert. Was können Versicherungsnehmer und Investoren tun, um einen Überblick zu erhalten und wo erhalten Sie den richtigen Ansprechpartner?

André Perko: Der Gang zu einem unabhängigen Finanzberater, Versicherungsberater oder Honorarberater wäre die erste Wahl, um sich neutral beraten zu lassen. Diese beraten per Mandat auftragsbezogen im Sinne Ihrer Kunden. Dessen kann man sich bei einem auf Vertrieb ausgerichteten Anlaufstelle wie Bank oder Versicherung nicht immer ganz sicher sein. Idealerweise führt man das ein oder andere Erstgespräch, um zu prüfen, ob die Chemie stimmt.

Lebensversicherungen, Aktien oder fondsgebundene Rentenversicherungen: die Liste an Angeboten ist lang. Wie schätzen Sie Lage nach Corona für den privaten Altersvorsorge Markt ein? Werden weniger Menschen oder mehr Menschen privat vorsorgen und vor allem wie?

André Perko: Meiner Einschätzung nach haben viele Verbraucher in dieser Krise die Notwendigkeit der Schaffung von Reserven erkannt und werden einen gewissen Trend zu mehr Vorsorge und höherer Sparquote einläuten. Wobei zunächst sicher noch eine gewisse Zurückhaltung in der näheren Zukunft vorherrschen wird, da einerseits ein gewisser Konsumnachholbedarf vorherrschen wird – Stichwort: Urlaub, und der weitere Verlauf der Pandemie abgewartet wird. Anschließend sollte aber eine deutlich ansteigende Nachfrage zu erwarten sein, mit dem Schwerpunkt auf Kapitalmarktorientierten Produkten, wie Aktien, Investmentfonds oder den allseits belieben ETFs.

Herr Perko, vielen Dank für das Gespräch!

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