Bastian Anders: Gründung einer Selbständigkeit sollte nicht erschwert werden

Bastian Anders ist Finanzberater und Inhaber compexx Finanz München. Im Interview sprechen wir mit ihm über Altersvorsorgepflicht für Selbständige, höhere Beiträge sowie mögliche Alternativen.

Bastian Anders

Die Idee der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige ist nicht neu. Was halten Sie davon?

Bastian Anders: Grundsätzlich ist diese Art der Verpflichtung ein sinnvoller Schritt, da viele Selbständige meiner Erfahrung nach die Höhe einer komplett selbst gesteuerten Altersvorsorge unterschätzen. Daraus aber eine Verpflichtung zur Einzahlung in die gesetzliche Rente zu machen, erachte ich als falsch, da es in erster Linie hier um Füllen von Löchern eins kränkelnden Systems geht und nicht um die Fürsorge der Selbständigen und deren Altersvorsorge. Bei einer zu erwartenden Reduzierung der Ansprüche aus der gesetzlichen Rente würde dann eine vollständige Versorgung für einen Großteil der Selbständigen nicht mehr finanzierbar.

Selbstständige bezahlen deutlich höhere Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung als Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen. Woran liegt das?

Bastian Anders: Sofern ein Selbständiger freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt er bei gleichem Einkommen wie der Arbeitnehmer auch den gleichen Beitrag. Der höhere Durchschnittsbeitrag ergibt sich aus der privaten Krankenversicherung, in welcher sich Beiträge einkommensunabhängig rein nach Leistung kalkulieren und dadurch einen höheren Grundbeitrag erfordern. Würde man die Beiträge nur mit Arbeitnehmern vergleichen, welche sich auch privat versichern könnten, würde hier keine Diskrepanz zu finden sein.

Wenn die Altersvorsorgepflicht auch auf Selbstständige ausgeweitet wird: Was bedeutet das für Solo-Selbstständige?

Bastian Anders: Für Existenzgründer sollten Freibeträge gelten für einen Zeitraum von wenigstens 3 Jahren, bis zu welchem eine Altersvorsorgepflicht entfällt.

Gerade in den Startjahren sollte man die Gründung einer Selbständigkeit nicht unnötig durch Liquiditätsbelastungen erschweren. Später hingegen macht eine Selbständigkeit nur langfristig Sinn, wenn auch genügend private Vorsorge erwirtschaftet werden kann, da sonst eine Grundsicherung im Alter droht. Solo -Selbständige erwirtschaften oft nur den Lebensunterhalt und unterschätzen den Vorsorgebedarf fürs Rentenalter.

Wie soll die Altersvorsorgepflicht ausgestaltet, wie vorgesorgt werden?

Bastian Anders: Es sollte eine prozentuale Vorgabe in Abhängigkeit des Gewinns bis zur Beitragsbemessungsgrenze der GRV geben, welche in Altersvorsorgekonzepte investiert und nachgewiesen werden muss. Diese sollten befreit von einer Garantiepflicht sein, dass jeder über seine Anlage frei entscheiden kann, was in Niedrigzinszeiten sonst zu keinerlei Renditemöglichkeit führt. Es würden natürlich auch Immobilien und reine Investmentanlagen als sinnvoll erscheinen, was jedoch in der klaren Definition seine Schwierigkeit findet und bei Investmentanlagen in freien Depots eine zu hohe Flexibilität mit sich bringt. Daher bleiben nur Versicherungslösungen, welche klare Vorgaben bekommen müssen, was die Kostenquote betrifft. Dahinter könnte man unterschiedlichste Investmentkonzepte bündeln. Depotstrategien, ETFS, Alternative Investments, Immobilien, nachhaltige Investments. Solange ein klarer Kostendeckel ohne versteckte Möglichkeiten definiert ist, hat man hier die größte Auswahl und erfüllt alle Kriterien. Alternativ die Einrichtung eines Staatsfonds nach norwegischem Prinzip, welcher einen geringen festverzinslichen Anteil enthält und eine hohe Aktienquote, sowie andere Investmentmöglichkeiten zulässt, um eine erträgliche Rendite sicherzustellen.

Hierfür braucht es dann Kapitalmarkspezialisten aus großen Investmenthäusern, bei welchen auch auf die Kostenthematik geachtet werden muss.

Was wären die Alternativen dazu? Ein gemeinsamer Rententopf für Angestellte und Selbständige?

Bastian Anders: Ein gemeinsamer Topf ist langfristig nur sinnvoll, wenn es sich bei diesem um keine umlagefinanzierten Modelle wie die aktuelle gesetzliche Rente handelt.

Dafür benötigt es aber Reformwille, welcher ein Denken von Wahl zu Wahl seitens der Politik ausschließt, da solche Veränderungen nur über einen längeren Prozess gesteuert werden können. Am Ende wird sich die Politik aber mit hoher Wahrscheinlichkeit für den leichten Weg mit dem kurzfristigen Erfolg entscheiden. Versicherungspflicht für alle und Einzahlung in das gesetzliche umlagefinanzierte Rentensystem. Das löst zwar das langfristige Problem nicht, aber 2025 werden die Probleme schnell groß werden und leider sind Politiker dann nur für kurzsichtige Lösungen bekannt, da die langfristigen Ansätze meist mit einem anfänglichen Einschnitt einhergehen und das Wählerstimmen kosten könnte.

Herr Anders, vielen Dank für das Gespräch!

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