David Emamzadeh: Der Verbraucher spürt die Inflation besonders bei den Energiepreisen

David Emamzadeh ist Produktmanager der EFC AG. Mit ihm sprechen wir über stark gestiegene Energiekosten, anziehende Inflation sowie Entwicklung für Sparer.

David Emamzadeh

Stark gestiegene Energiekosten haben das Leben in Deutschland verteuert. Die Verbraucherpreise lagen im Juli 3,8 Prozent über dem Level des Vorjahres. Was sind die Gründe für die anziehende Inflation und welche Produkte werden besonders teuer?

David Emamzadeh: Die stark gestiegene Inflationsrate im Juli – einen höheren Wert für die monatliche Inflationsrate haben wir in Deutschland zuletzt vor fast 30 Jahren gesehen – basiert zu einem großen Teil auf Basiseffekten. Ab Juli 2020 wurde die Mehrwertsteuer befristet bis Ende 2020 gesenkt, von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Satz von 7 % auf 5 %. Dieser Effekt wirkt sich in der Inflationsrate im Juli 2021 voll das erste Mal, was auch den starken Anstieg von den 2,3 % im Juni erklärt. Hinzu kommt ein starker Basiseffekt bei den Energiepreisen. Im letzten Jahr lag beispielsweise der Ölpreis auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau – zeitweise gab es sogar einen, wenn auch nur sehr kurz anhaltenden, negativen Ölpreis. Der Verbraucher spürt die Inflation derzeit besonders bei den Energiepreisen – das kann wohl jeder bestätigen, der sein Fahrzeug in letzter Zeit getankt hat. Ein weiterer, spürbar teurer gewordener, Posten sind Lebensmittelpreise, gegenüber dem Vorjahresmonat sehen wir hier eine Preissteigerung von 4,3 %.

Handelt es sich um eine temporäre Steigerung der Inflation oder werden wir uns an schnell steigende Preise gewöhnen müssen?

David Emamzadeh: Sobald der Basiseffekt durch die temporäre Mehrwertsteuersenkung des letzten Jahres keine Rolle mehr spielt, also ab Januar 2022, wird dieser Faktor sicherlich zu einer auf dem Papier niedrigeren Inflation führen. Für den Verbraucher spielt aber eher die tatsächliche Preisentwicklung eine Rolle. Die Kombination aus anziehender Wirtschaft nach beinahe zwei Pandemiejahren und eine weiterhin, bereits seit Jahren, lockere Notenbankpolitik führen dazu, dass weiter steigende Preise sicherlich nicht unwahrscheinlich sind. Auch der Blick in die USA zeigt, dass wir uns wohl auf Inflationsraten einstellen müssen, die deutlich höher liegen, als wir sie die letzten Jahre beobachten konnten. Im Juli lag die Inflationsrate in den USA bereits bei 5,4 %.

Experten betonten oft, dass eine erhöhte Inflation ein Luxusproblem für Deutschland sei. Inwiefern wäre eine zu geringe Inflation ein größeres Problem als eine steigende Inflation?

David Emamzadeh: Eine geringere Inflation könnte aktuell als deutliches Signal dafür gesehen werden, dass die Wirtschaft trotz aller Bemühungen nicht anläuft. Die aktuell erhöhte Inflationsrate war so zu erwarten und stellt aktuell sicherlich kein Problem für Deutschland dar – wie bereits erwähnt spielen hier Faktoren eine Rolle, die abzusehen waren. Die letzten Jahre lag die Inflation auf einem sehr niedrigen Niveau, im zweiten Halbjahr 2020 hatten wir in Deutschland sogar Deflation, also sinkende Preise. Das lag natürlich zu einem großen Teil an der angesprochenen Senkung der Mehrwertsteuer, hätte diese Tendenz aber weiter angehalten wäre das sehr besorgniserregend gewesen. Trotzdem ist eine weiter ansteigende Inflation auch nicht unkritisch zu sehen, besonders Anleger und Sparer werden hier bestraft, wenn sie sich nicht richtig aufstellen.

Für Sparer ist Inflation quasi eine schleichende Enteignung. Was können Anleger tun, um sich vor der Geldentwertung zu schützen?

David Emamzadeh: Der beste Schutz gegen Inflation sind Sachwerte – das können beispielsweise Immobilien sein, Aktien, Beteiligungen an Unternehmen, Edelmetalle, und so weiter. Diese Formen der Geldanlage haben eines gemeinsam – sie können von steigenden Preisen profitieren. Wenn beispielsweise die Kosten für Wohnen steigen –der größte Posten bei der Berechnung der Inflationsrate – bedeutet das, dass Mieten und Immobilienpreise steigen. Wenn Unternehmen höhere Preise für ihre Güter und Dienstleistungen verlangen, können auch die Aktien dieser Unternehmen davon profitieren. Grundsätzlich möchte ich in Zeiten höherer Inflation in echten Wirtschaftswerten investiert sein. Geldwerte – also beispielsweise Sparkonten, Tagesgeldkonten, Bargeld – sollte ich in diesen Zeiten auf ein Minimum beschränken.

Höhere Renditen bedeuten in der Regel höhere Risiken. Wie lässt sich eine geeignete Strategie finden, um Risiko und Rendite in ein gutes Verhältnis zu bekommen?

David Emamzadeh: Korrekt, das ist eine der Grundregeln des Finanzmarktes, die Amerikaner sagen hierzu: „There is no free lunch“. Höhere Renditen gehen in aller Regel auch mit höheren Risiken ein. Die Kunst hierbei ist es – und dafür sollte der Großteil der Anleger einen unabhängigen Experten in diesem Bereich zu Rate ziehen – seine Finanzen so aufzustelllen, dass für das eingegangene Risiko die größtmögliche Rendite erzielt wird oder die gewünschte Rendite mit dem niedrigstmöglichen Risiko abgebildet wird. Um diesen „sweet spot“ zu finden sollte mit einem professionellen, möglichst unabhängigen, Berater eine komplette Finanzplanung aufgestellt werden, das ist eine höchst individuelle Angelegenheit, die sehr stark von der Lebensplanung, den finanziellen Möglichkeiten und auch der Risikoneigung des Anlegers abhängt. Einen großen Vorteil bieten hier Berater, die Zugriff auf die ganze Bandbreite von Finanzanlagen haben, und so auch Spezialthemen abdecken können – hier lassen sich noch Investments mit einem Risiko-Rendite-Verhältnis finden, die die meisten klassischen Bankprodukte in den Schatten stellen.

Herr Emamzadeh, vielen Dank für das Gespräch!

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