Harald Brockmann: Investition in eine zukunftsfähige Welt

Harald Brockmann ist Direktor für ethisch-nachhaltige Geldanlage Missionszentrale der Franziskaner GmbH. Mit ihm sprechen wir über umweltfreundliche Investitionen, Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit in der Finanzbranche.

Spirituelle Heimat des Franziskaner Ordens in Assisi

Welche Investitionen sind umweltfreundlich und was zählt zu nachhaltigen Geldanlagen?

Harald Brockmann: Der Begriff der Nachhaltigen Geldanlage ist ja nicht geschützt und wird von den Akteuren auch unterschiedlich interpretiert. Wir sehen es als Investition in eine zukunftsfähige Welt und wollen durch unser Angebot einen Beitrag hierzu leisten. Auch hat jeder Anleger bzw. Anlegerin eine eigene Vorstellung von Nachhaltigkeit und Ethik und möchte dies in die Investition einbringen. Ob nun als Themeninvestment oder z. B. in einen global anlegenden terrAssisi Aktienfonds. Zudem möchten wir durch unser Angebot ja nicht nur Unternehmen abstrafen, in dem wir sie von einer Investitionsmöglichkeit ausschließen, wir möchten auch Unternehmen animieren, sich zu verbessern.

Der Umweltgedanke wird in vielen Bereichen immer wichtiger. Welche Rolle spielt der Klimaschutz bei Geldanlagen?

Harald Brockmann: Der Gedanke spielt natürlich eine große Rolle. Da wir bei uns aber nicht über Themenfonds sprechen, halten wir den Aspekt des Klimaschutzes ohne Berücksichtigung von z. B. Menschenrechten und Menschenwürde für nicht implementierbar. Wir beurteilen daher bei unserer Selektion Unternehmen und Länder / Staaten nicht nur nach Umweltgesichtspunkten, sondern nach über 100 Kriterien auch aus den Bereichen Soziales und Unternehmensführung. Wir sehen also das Gesamtbild auch in kontroversen Wirtschaftspraktiken und kontroversen Geschäftsfeldern.

Wie wird das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzbranche behandelt?

Harald Brockmann: Das Thema hat in den letzten Jahren mächtig an Fahrt aufgenommen. Die Beweggründe der einzelnen Akteure sind recht unterschiedlich. Unterstützt wird das gesteigerte Interesse durch staatliche Vorgaben auch auf EU-Ebene, z. B. Offenlegungsverpflichtungen von Unternehmen oder auch die Verpflichtung des Beraters, die Kundenpräferenzen zur Nachhaltigkeit abzufragen und im Angebot zu berücksichtigen.

Wie rentabel und sicher sind nachhaltige Geldanlagen im Vergleich zu klassischen Kapitalanlagen?

Harald Brockmann: Eine pauschale Aussage ist hier nicht möglich. Auch beim terrAssisi Aktienfonds sprechen wir über 100% Aktien, bei einer negativen Entwicklung der globalen Aktien Märkte hilft dann leider auch nicht der Hl. Franziskus. Metastudien besagen, dass nachhaltige Geldanlagen nicht schlechter performen wie klassische Investments, trotz der erhöhten Anforderungen z. B. durch Ausschlusskriterien.

Was steckt hinter dem FNG-Siegel und für wie sinnvoll halten Sie diese Zertifizierung?

Harald Brockmann: Ein Siegel ist sicherlich für Berater und Investoren als Orientierung hilfreich. Bei der Vielzahl der Siegel sollten aber die unterschiedlichen Ansätze und Bewertungen berücksichtigt werden. Das FNG Siegel haben wir nicht beantragt, wir haben uns bewusst für das Staatliche Siegel des Umweltministeriums Österreich entschieden. Dieses trägt die Bezeichnung UZ49. Zum FNG Siegel können wir daher keine Auskunft geben.

Herr Brockmann, vielen Dank für das Gespräch!

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