Henrik Herzog: Geplante Belastungen sollten berücksichtigt werden

Henrik Herzog ist Geschäftsführer von Dr. Karp Finanzdienstleistungen GmbH & Co. KG. Im Interview beantwortet er Fragen zu sicherem Investieren, liquiden Mitteln sowie aktiven Fonds.

Das Vermögen der Deutschen wächst Jahr für Jahr. Niedrige Zinsen haben das sichere Investieren aber nicht einfacher gemacht. Ist es überhaupt möglich, mit Sparbüchern, Tageskonten und ähnlichen Produkten zumindest die Inflation zu schlagen?

Henrik Herzog

Henrik Herzog: Nein! Das ist in der derzeitigen Marktlage ausgeschlossen. Die meisten Deutschen wird das aber nicht stören. Ob ihr Geld einem Kaufkraftverlust unterliegt oder nicht, veranlasst kaum jemanden zum Handeln. Man sieht es auch nicht. 10.000 €, die auf einem Sparbuch liegen, bleiben nominal 10.000 €. Und hier sehe ich sogar einen großen Vorteil von Negativzinsen. Bei einem „Strafzins“ von 0,5 % p.a. erhöht sich der Kaufkraftverlust von 2 % Jahr („normaler“ Inflation) auf 2,5 %. Dies ist fast schon vernachlässigbar. Der große Unterschied ist jedoch, dass die 0,5% Negativzinsen sichtbar sind. Das heißt, der Anleger sieht, wie sein Vermögen (wenn auch nur marginal) sinkt. Meiner Erfahrung nach wird ihn dies zum Umdenken animieren, was durchaus positiv ist, weil er sich mit alternativen und lukrativeren Geldanlageformen auseinandersetzt.

Wie viel Geld sollte in liquiden Mitteln verfügbar gehalten werden?

Henrik Herzog: Das ist eine individuelle Betrachtung. Neben einem permanent verfügbaren Sicherheitspuffer in Höhe von 2 – 3 netto Monatsgehältern sollten auch bereits geplante Belastungen berücksichtigt werden. Jede Ausgabe, die in den nächsten 3 Jahren anfallen wird (z. B. ein Umzug oder ein neues Auto), sollte in Form von liquiden Mittel verfügbar bleiben.

Experten sind sich einig: an Aktien führt kaum ein Weg vorbei. Welche grundlegenden Regeln sollten Investoren an der Börse beachten?

Henrik Herzog: Zum einen ist eine breite Streuung wichtig. Diese sollte sich an der realen Marktkapitalisierung orientieren. Wer beispielsweise einen deutschen Aktienfonds bespart, unterliegt dahingehend einer möglichen Übergewichtung, da Deutschland nicht einmal 3 % der weltweiten Marktkapitalisierung ausmacht.

Des Weiteren sollte man nur Geld in Aktien anlegen, auf welches man möglichst lange nicht angewiesen ist. Mindestens 7, besser 10 Jahre dienen hier als Orientierung.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den man ohne Aktienerfahrung in der Regel nicht vorher einschätzen kann, betrifft größere Kursrückgänge oder gar Crashs. Auch wenn der Kopf weiß, dass man das Geld nicht benötigt und Korrekturen quasi erforderlich sind, um eine gewisse Rendite zu erzielen, verkraftet der Bauch dies oft nicht so gut. Dreht sich einem zudem der Magen um, wenn Anja Kohl oder Markus Gürne kurz vor der Tagesschau mal wieder von „Geldvernichtung“ an den Börsen berichten, wird man mit einer solchen Anlage vermutlich nicht glücklich. Da nützt auch die höchste potenzielle Rendite wenig.

Ein Tipp für vorsichtige Anleger: Wer das Risiko eines größeren Kursrückgangs minimieren will, sollte statt einer eventuell geplanten Einmalanlage den Betrag lieber aufteilen und in Form von mehreren monatlichen Sparraten anlegen.

ETF gelten als einfaches und kostengünstiges Mittel, um breit gestreut an der Börse zu investieren. Worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden?

Henrik Herzog: Oft wird bei dieser Frage auf die richtige Replikationsmethode hingewiesen. Das ist die Art, wie die Aktien des jeweiligen Index in dem ETF dargestellt werden. Als Optimum gilt hier die physische Replikation, also der tatsächliche Kauf der Aktien. Doch auch das Sampling oder Swap basierte ETFs haben eine Daseinsberechtigung, da einige Märkte gar nicht anders darstellbar sind. Außerdem sind diese Varianten oft günstiger. Damit verbundene Emittentenrisiken sind überschaubarer als von vielen Kritikern des passiven Anlegens oft aufgeführt.

Die wenigsten Fondsmanager schlagen den Markt. Lohnt es sich trotzdem sich mit dem Thema aktive Fonds zu beschäftigen?

Henrik Herzog: Je individueller die Anlagewünsche sind, desto besser lassen sich diese durch einen gemanagten Fonds darstellen. Gerade mit speziellen Vorstellungen im Bereich der nachhaltigen Geldanlage stößt man mit passiven Fonds schnell an Grenzen. Wer hier keine Kompromisse eingehen will, ist bei Fondsboutiquen, die ausschließlich in diesem Bereich unterwegs sind, oft besser aufgehoben.

Welche Vor- und Nachteile haben Versicherungsmäntel?

Henrik Herzog: Die Vorteile bestehen im Wesentlichen in staatlichen Förderungen in Form von Steuerersparnissen oder Zulagen. Zudem besteht bei einigen Produkten ein Schutz vor staatlichem Zugriff, z. B. bei Insolvenz oder bei der Beantragung von Sozialleistungen. Durch den Versicherungsmantel hat man später die Möglichkeit, eine lebenslange Rente zu beziehen. Dies kann sonst kein Anlageprodukt darstellen.

Als nachteilig sind ganz klar die eingeschränkte Flexibilität und die höheren Kosten zu nennen.

Viele Menschen träumen vom Eigenheim. Ist die selbstgenutzte Immobilie eine gute Investition?

Henrik Herzog: Hier muss man abgrenzen. Als Geldanlage taugt die selbstgenutzte Immobilie wahrlich nicht. Die Mehrkosten im Vergleich zur Mietwohnung sind immens. Auch die viel angepriesene „Altersvorsorge“ durch die wegfallende Miete ist eine Milchmädchenrechnung. Würde man die Mehrausgaben eines Hauskaufs (Zins, Instandhaltung, evtl. längerer Arbeitsweg, etc.) über die vielen Jahre sinnvoll anlegen, könnte man im Alter sehr viele Jahre eine laufende Miete bezahlen.

Aber mit dem Kauf seines eigenen Häuschens im Grünen verbindet man ja eher die Steigerung der Lebensqualität, mehr Wohnraum und individuelle Freiheit als eine sinnvolle Investition. Selbstverständlich sind Wertsteigerungen dennoch nicht ausgeschlossen.

Auch Edelmetalle erfreuen sich großer Beliebtheit bei Anlegern. Was machen Gold, Silber und Co. so attraktiv? Was sind die Nachteile?

Henrik Herzog: In Edelmetalle „flüchten“ Investoren oft in unsicheren Zeiten. Offensichtlich geben Ereignisse wie die Finanzkrise, die derzeitige Corona-Pandemie oder eine drohende Inflation ausreichend Anlass für einen Run in derartige Geldanlagen. Als Beimischung ist gegen Gold & Co. sicherlich nichts einzuwenden. Es gilt aber wie überall: Klumpenrisiken sollten vermieden werden.

Für Edelmetalle sprechen die Sachwerteigenschaft und damit ein gewisser Inflationsschutz. Im Falle eines Super-GAUs, einem Währungscrash, wäre man mit Gold in gewisser Weise noch handlungs-, weil handelsfähig.

Abseits solcher Dystopien darf man aber nicht vergessen, dass die Wertentwicklung von Gold zwischen 1980 und 2005 (immerhin zweieinhalb Jahrzehnte) negativ war. Zinsen, Dividenden oder Mieten wurden in diesem Zeitraum natürlich auch nicht ausgeschüttet.

Was halten Sie von alternativen Sachwertinvestments in Form von Nachrangdarlehen, KG-Beteiligungen oder Genussrechten?

Henrik Herzog: Geschlossene Fonds haben einen großen Vorteil: Sie sind geschlossen. Der Emittent hat also mehrere Jahre Zeit, das Geld planbar zu investieren und muss keine Liquidität vorhalten.

Es gibt aber auch einen großen Nachteil: Sie sind geschlossen. Der Anleger kann also weder auf das Kapital zugreifen, noch kann er im Detail nachvollziehen, wie sich seine Anlage aktuell entwickelt. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Es mag spezielle Investments geben, die man nur über derartige Produkte abbilden kann. Für die meisten Sparer sind diese aber überflüssig. Insbesondere aus Renditegesichtspunkten wird man, meist auch aufgrund der höheren Kosten, mit einer Beteiligung nicht besser kommen.

Schaut man in die Vergangenheit, besteht zudem ein erhöhtes Totalverlustrisiko. Aufgrund der eingeschränkten Transparenz gab es diverse Betrugsfälle. Selbst Restriktionen vom Gesetzgeber konnten dem nicht immer Einhalt gebieten.

Herr Herzog, vielen Dank für das Gespräch!

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