Isabel Boden: Investments in Kunst auf ihre Nachhaltigkeit überprüfen

Isabel Boden ist Inhaberin von fineart advisory GmbH. Mit ihm sprechen wir im Interview über Investitionen in die Kunst, sichere Kapitalanlage sowie Kunstwerke.

Wer in Kunst investiert, will oft Leidenschaft mit Rendite verbinden. Funktioniert auch oft, doch gerade bei diesem Investment sind Recherche und Fachkenntnis nötig. Dabei hat sich Kunst als Investment über die Jahre als sichere Kapitalanlage bewährt. Warum ist ein Totalverlust bei Kunstwerken fast komplett ausgeschlossen?

Isabel Boden: Es ist grundsätzlich empfehlenswert, Investments in Kunst auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen. So ist neben dem Fokus auf etablierte Künstlerpersönlichkeiten auch die Qualität des Oeuvres maßgeblich entscheidend. Dieses beugt eine Abschwächung des Wertes auf mittlere Sicht vor. Einen Totalverlust kann es bei Kunstwerken nur im Falle einer Fälschung geben. Natürlich wird dem Kunsthandel der Fall Beltracchi und ähnlicher Fälscher immer wieder vor Augen gehalten, doch im Vergleich zu dem Gesamtumsatz an Kunstwerken ist das Risiko gering, wenn man sich gewissenhaft an die Regeln der Qualitätsüberprüfung hält.

Sammler betonen allerdings, dass Kunst keine reine Wertanlage ist. Was ist darunter zu verstehen?

Isabel Boden: Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Sammlern. Viele sehen natürlich den emotionalen oder auch kunstgeschichtlichen Wert und können sich nicht vorstellen, Kunst unter monetären Gesichtspunkten zu erwerben. Andere besitzen 100, oder deutlich mehr Werke, die sie meist in einem Kunstlager deponieren. Sie versuchen durch unterschiedliche Konzepte, die Kunst so zu erwerben, dass es nachhaltige Wertstücke sind.

Oftmals ist es der diffuse Kunstmarkt, der potenzielle Anleger dann doch abschreckt. Warum ist der Kunstmarkt so undurchschaubar?

Isabel Boden: Eigentlich ist der Kunstmarkt heute transparenter als noch vor 10 oder mehr Jahren Dies hat insbesondere mit den Auktionsdatenbanken zu tun. Auch werden einige Angebote im 5-stelligen Bereich inzwischen häufig von den Galerien mit Preisen ausgezeichnet. Für neue Sammler ist es eher „undurchschaubar“, weil man das Auge etwas schulen muss, um auch innerhalb des Oeuvres eines Künstlers unterschiedliche Qualitäten zu erkennen. Es gibt mehrere Qualitätskriterien, die ein Werk auszeichnen. Der Wert ist jedoch nicht wie beispielsweise bei einer Immobilie mit rationalen Zahlen zu ermitteln, sodass dies viele als „undurchschaubar“ empfinden.

Das Kunstgebiet ist riesig und reich an Gattungen und Stilrichtungen. Aber welche Kunstwerke sind als Investition geeignet?

Isabel Boden: Dies lässt sich so pauschal nicht beantworten. Grundsätzlich macht die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ca. 80 Prozent des Umsatzes am Kunstmarkt aus. Das bedeutet aber nicht, dass ein besonderes Stück des Kunstgewerbes keine geeignete Investition wäre. Es ist grundsätzlich sehr davon abhängig, aus welcher Region der Investor kommt. Ein Asiate sucht entweder eher Künstler aus seiner Region, oder „big names“, von denen er sich etwas verspricht. Ein Amerikaner würde sich vielleicht zunächst an seinem Markt orientieren. Wenn wir nach den genannten Umsatzgrößen auf dem Markt uns orientieren ist natürlich die Kunst des 20 und zunehmend 21. Jahrhundert hierfür geeignet. Bei der zeitgenössischen Kunst sieht man erfahrungsgemäß das größte Potential aber auch Risiko, da es Galeristen gibt, die sich von einem auf den anderen Tag gegen eine Weiterführung des Engagements für einen Künstler entscheiden. Daher ist es wichtig, bei der Auswahl auch auf mehrere Kriterien zu achten, die die Bekanntheit des Künstlers und seine Marktstellung ausmachen.

Auf welche steuerlichen Aspekte muss man beim Investieren in Kunst achten?

Isabel Boden: Die steuerlichen Aspekte sind in der Tat vielfältig – auch übrigens auch im Umgang mit der Übertragung von Kunstwerken an die nächste Generation. Bei Kauf eines zeitgenössischen Werks in einer Galerie sollte auf jeden Fall gefragt werden, ob es evtl. auch als Atelierkauf (7 Prozent) abgerechnet werden könnte. Erwirbt man ein Werk in einem Drittstaat (zum Beispiel in der Schweiz/ USA /GB) fällt im Gegensatz zu Käufen innerhalb Deutschlands nur eine Mehrwertsteuer von 7 (statt 19) Prozent bei der Einfuhr an.

Relativ neu im Kunstmarkt sind auch Art-Consultants. Wie können Kunstberater Anlegern effektiv helfen?

Isabel Boden: Wichtig ist, dass der Sammler die Expertise des Kunstberater berücksichtigt. Dies gilt insbesondere bei dem Erwerb von Alten Meistern, welches viele Fallstricke enthält. Die Hinzuziehung eines Kunstberaters soll davor schützen, bestimmte Qualitätskriterien zu übersehen, bzw. insbesondere einen viel zu hohen Preis zu zahlen. Außerdem ist ein Kunstberater eine Art Kompass auf einem Kunstmarkt mit einem sehr großen Angebot. Allein auf Auktionen in Deutschland werden pro Saison (Halbjahr) weit über 5.000 Kunstwerke angeboten, die Kunstmesse in Köln, Basel, London oder New York zeigen Arbeiten von bis zu 30 internationalen Galerien.

Man sollte kein Geld in ein Kunstwerk stecken, das man schnell wieder kapitalisieren muss. Worauf sollte man Ihrer Meinung nach bei einem Kunstinvestment noch achten?

Isabel Boden: In der Tat ist Kunst nicht geeignet, wie eine Aktie innerhalb einer kurzen Zeit wieder verkauft zu werden. Dies hat insbesondere mit der „Marktfrische“ des Werks zu tun. Habe ich es auf einer Auktion erworben, ist der Preis für immer online sichtbar. Der Versuch, es höher nach einer bestimmten Zeit wieder zu veräußern, ist daher schwierig. Natürlich gibt es dennoch die Chance eines Schnäppchens auf unbekannten Auktionsmärkten.

grundsätzlich ist aber die Nachhaltigkeit von diesen Kunstwerten ist wichtig. Es bedeutet, dass das ausgesuchte Kunstwerk kritisch betrachtet werden muss. Seine Exklusivität auch im Vergleich zu dem Gesamtwerk eines Künstlers ist entscheidend sowie seine individuellen Qualitätskriterien.

Frau Boden, vielen Dank für das Gespräch!

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