Jacob Hetzel: langfristiges Investieren wird gefördert

Jacob Hetzel ist Head of Distribution bei Scalable Capital. Mit ihm sprechen wir über Negativzinsen, politischen Widerstand sowie Schutz für Einzelpersonen.

Was sind Negativzinsen und warum gibt es sie?

Jacob Hetzel / Copyright Fabian Zapatka

Jacob Hetzel: Vereinfacht gesagt definiert der Zins den Preis für zur Verfügung gestelltes Geld. Die Höhe des Zinses wird teilweise durch das simple Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt – gibt es, wie heutzutage, sehr viel Liquidität im Markt, tendiert der Zins gegen null. In der Theorie müsste der Zins immer positiv sein, es sei denn, die Aufnahme und Verwahrung von Fremdkapital bringt mehr Aufwand als Ertrag. Dann ist es denkbar, für die Verwahrung des Geldes eine gewisse Aufwandsentschädigung zu verlangen – in diesem Falle den sogenannten Negativzins.

Warum berechnen einige Banken ihren Kunden Negativzinsen?

Jacob Hetzel: Eins der vielseitigen geldpolitischen Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB), welches nach der Eurokrise eingeführt wurde, ist der negative Zinssatz für die Einlagefazilität. Dies führt dazu, dass die Geschäftsbanken der Eurozone Zinsen zahlen müssen, wenn sie ihre Überschussliquidität bei der EZB einlegen. Die Kosten geben viele Geschäftsbanken an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

Die Debatte um „Strafzinsen“ wird intensiv geführt. Wer muss eigentlich Negativzinsen zahlen und warum?

Jacob Hetzel: Der Juni 2014 markierte für die nach der Wirtschaftskrise geschwächten Banken der Eurozone eine Zäsur: zum ersten Mal in der Geschichte wurde der Einlagenzins der EZB in den negativen Bereich gesenkt. Anfangs noch auf minus 0,1% festgelegt, liegt dieser inzwischen bei minus 0,5%. Es sind also nicht nur Privatpersonen, die mit einem neuen und eher unerforschten Kapitel der Geldpolitik konfrontiert sind. Umso verständlicher ist die Intensität der Debatten, die um das Thema „Negativzins“ geführt werden. Am Ende ist die Entscheidung, wer die sogenannten Strafzinsen zu zahlen hat, vom Institut abhängig. Zu beachten gilt: auch über sonstige Kontoführungsgebühren lassen sich Negativzinsen finanzieren. Das Wort „Kontoführungsgebühr“ dürfte bei der Kundschaft wohl etwas besser als „Strafzinsen“ ankommen.

Gibt es politischen Widerstand gegen einen Negativzins?

Jacob Hetzel: Wie auch die Nullzinspolitik wird der Negativzins häufig kritisch betrachtet. Dabei müsste man auf Veränderungen vielmehr mit Anpassung statt Kritik reagieren. Der Negativzins wird teilweise schon 50 Tausend Euro fällig – so nimmt der Anlagedruck für immer mehr Menschen zu. Auch ohne Negativzinsen wäre eine Anlage auf ertraglosen Girokonten wenig sinnvoll. Durch neue, einfache und günstige Lösungen der Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt ist es möglich geworden, mit kostengünstigen Produkten wie ETFs sein eigenes Portfolio zu erstellen oder durch digitale Vermögensverwalter, wie Scalable Capital, sein Geld nachhaltig anlegen zu lassen. Wie genau die digitale Vermögensverwaltung funktioniert, erklären wir im Rahmen der Infoabende, die wir regelmäßig in Berlin veranstalten. Um teilzunehmen, melden Sie sich an unter www.scalable.capital/events. Auch auf politischer Ebene sind Änderungen nötig, um das Anlegen am Aktienmarkt zu vereinfachen. In Zeiten der Nullzinspolitik stehen private Anlegende vor nie da gewesenen Herausforderungen, was mit dem Geld gemacht werden soll. Der Sparerpauschbetrag liegt in Deutschland seit 2007 bei 801€ pro Person und wurde trotz Inflation kein einziges Mal angepasst. Eine sinnvolle Maßnahme würde ein Sparportfolio mit reduzierter Besteuerung darstellen, wie beispielsweise der Plan d’Epargne en Actions (PEA) in Frankreich, im Rahmen dessen die Erträge nach fünf Jahren steuerfrei sind. Dadurch fördert man langfristiges Investieren und gestaltet diese Art der privaten Vorsorge wesentlich attraktiver.

Banken waren in den vergangenen Jahren aktiv, wenn es darum ging, neue Entgelte zu erschaffen. Gibt es einen Verbraucherschutz, bzw. wie kann die Einzelperson sich vor Negativzinsen schützen?

Jacob Hetzel: Zuerst möchte ich betonen, dass das Sparbuch noch nie eine attraktive Anlageform für die langfristige Anlage dargestellt hat. Nur über kurzfristige Zeiträume oder für den „Notgroschen“ ist es sinnvoll, Geld zu parken.  Eine sinnvolle Vorgehensweise wäre hier die Entwicklung des Realzinses in den vergangenen fünfzig Jahren zu betrachten. Der Realzins ist beim Vergleich der Spar- und Investitionsmöglichkeiten besonders objektiv, da er den Unterschied zwischen dem Sparzins auf kurzfristige Spareinlagen und der Inflationsrate abbildet. Über die letzten 50 Jahre lag der Realzins nur sehr selten über 2%, zeitweilig befand er sich gar im negativen Bereich. In anderen Worten – die Zinsen konnten den Wertverlust durch die Inflationsrate nur selten ausgleichen. Daher ist es sinnvoll, sich mit den Alternativen zum klassischen Sparbuch zu beschäftigen – denn ob das Sparbuch nun mit einem Prozent positiv oder negativ verzinst wird, spielt in Anbetracht anderer Faktoren eine untergeordnete Rolle. Anhand vieler empirischer Modelle von renommierten Instituten kann man sehen, dass keine Anlage in den vergangenen Jahrzehnten so lukrativ gewesen ist wie die am Aktienmarkt. Eine diversifizierte Anlage ist dank des sehr großen Angebotes an ETFs und ETF-Sparplänen heutzutage bei digitalen Brokern wie Scalable Capital einfach und kostengünstig möglich. Mit wenigen Klicks kann jede und jeder sich ein Portfolio erstellen und Sparpläne flexibel nach Einkommenszuflüssen einrichten. Umfangreiche Erklärvideos und Blogbeiträge nehmen zudem inhaltliche Hürden, damit einem langfristigen Sparen nichts mehr im Wege steht. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass der beste Schutz vor Negativzinsen und dem damit einhergehenden Kaufkraftverlust eine breit gestreute, weltweit diversifizierte Anlage am Aktienmarkt darstellt.

Herr Hetzel, vielen Dank für das Gespräch!

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