Kevin Eskandary: Das System der Gesetzlichen Rentenversicherung ist zum Scheitern verurteilt

Kevin Eskandary ist Geschäftsführender Gesellschafter der Eskandary Finanzkonzepte GmbH in Mannheim. Mit ihm sprechen wir über Altersvorsorgepflicht für Selbständige, gesetzliche Rentenversicherung sowie

Die Idee der Altersvorsorgepflicht für Selbständige ist nicht neu. Was halten Sie davon?

Kevin Eskandary

Kevin Eskandary: Meiner Meinung nach muss man hier differenzieren und das Thema auf mehreren Ebenen betrachten. Ebene 1: Altersvorsorgepflicht Ja/Nein. Ebene 2: Falls ja, bezieht sich diese Pflicht auf die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung oder ist die Auswahl der Anlage freigestellt?

Bei der Frage der grundsätzlichen Pflicht bin ich gespaltener Meinung. Grundsätzlich bin ich ein Freund von Eigenverantwortung. Gerade für Selbständige kann auch ein ggf. entstehender Unternehmenswert eine Altersvorsorge sein. Eine Pflicht zur Zahlung von AV-Beiträgen könnte auch dazu führen, dass Unternehmer gerade in der Anfangsphase im Wachstum gebremst werden. Auf der anderen Seite weiß ich, dass viele eben nicht eigenverantwortlich handeln und daher in Altersarmut landen werden, wenn sie nicht verpflichtet werden, etwas zu tun. Eine klarere Meinung habe ich zum Thema Anlage: Sollte es zu einer Pflicht kommen, muss es freigestellt sein, wie Altersvorsorge betrieben wird. Denn einige möchten beispielsweise Immobilien als Kapitalanlage als Vehikel nutzen, andere Aktien oder ETFs. Hier müsste der Staat eine Auswahl an Anlagen grundsätzlich zulassen. Ich könnte mir z.B. ein Modell gut vorstellen, indem der Staat regelmäßig prüft, ob eine Altersvorsorge in geeigneter Form besteht und nur verpflichtend eingreift, wenn fehlende Eigenverantwortung erkennbar ist.

Selbstständige bezahlen deutlich höhere Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung als Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen. Woran liegt das?

Kevin Eskandary: Der Arbeitgeber-Teil der Sozialversicherungsbeiträge wird meist vom Selbständigen mitgetragen.

Wenn die Altersvorsorgepflicht auch auf Selbständige ausgeweitet wird: Was bedeutet das für Solo-Selbständige?

Kevin Eskandary: Ich denke, dass grade Solo-Selbständige in der Debatte der Altersvorsorge-Pflicht vor Altersarmut geschützt werden müssten. In der Praxis ist es doch so, dass es den Selbständigen mit mehreren Mitarbeitern auch finanziell deutlich besser geht. Diese werden zum Großteil wahrscheinlich schon eigenverantwortlich Altersvorsorge betreiben, weil das Geld da ist. Solo-Selbständige, die sich evtl. seit Jahrzehnten schon „durchkämpfen“, würden durch eine Pflicht „zu ihrem Glück gezwungen“

Wie soll die Altersvorsorgepflicht ausgestaltet, wie vorgesorgt werden?

Kevin Eskandary: Das System der Gesetzlichen Rentenversicherung ist zum Scheitern verurteilt. Es muss ein neues Modell her, in dem offensiver investiert werden kann. Jeder, der sich halbwegs mit dem Thema Anlage beschäftigt, fragt sich, warum bei einem Anlagehorizont von meist über 40 Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung angelegt wird als läge der Anlagehorizont bei 3 Jahren. Dass das Geld am Ende in den Kassen fehlt, ist kein Wunder.

Was wären die Alternativen dazu? Ein gemeinsamer Rententopf für Angestellte und Selbständige?

Kevin Eskandary: Eine Alternative ist meiner Meinung nach eine Abkehr vom Umlageverfahren zu einem System, in dem jeder in seinen „eigenen Topf“ spart.

Herr Eskandary, vielen Dank für das Gespräch!

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