Matthias Krapp: Der Deutsche ist immer noch ein Sparfuchs und Sparer

Matthias Krapp ist geschäftsführender Gesellschafter der ABATUS VermögensManagement GmbH & Co. KG in Dinklage. Mit ihm sprechen wir über Corona, Kurzarbeit sowie schlechte Auftragslage.

Corona hat für Kurzarbeit, eine schlechte Auftragslage und teils komplett geschlossene Branchenzweige gesorgt, zudem zahlt der Staat die Hilfen häufig zu spät. Glauben Sie diese Faktoren werden Auswirkungen auf die Spareinlagen der Deutschen haben?

Matthias Krapp

Matthias Krapp: Es kam kürzlich diverse Studien auf dem Markt, dass die Deutschen während Corona so viel wie nie zuvor gespart haben. Der Deutsche ist immer noch ein Sparfuchs und Sparer.

Können Sie in Ihrem Beratungsalltag feststellen, dass Menschen häufiger Altersvorsorge- bzw. Investmentprodukte kündigen, weil sie möglicherweise Liquidität benötigen?

Matthias Krapp: Trotz einiger Unternehmer, die wir in der Mandantschaft haben, und die auch von der Krise betroffen sind oder waren, können wir das nicht feststellen.

Unsere Mandanten haben eine Strategie, der sie treu bleiben und haben nur Gelder angelegt, die sich nicht kurzfristig benötigen.

Gehen wir davon aus, dass es ein Fehler ist, Altverträge aufgrund zu kündigen?

Matthias Krapp: Das kommt ganz auf den Vertrag und die Person mit den Zielen und Wünschen dahinter an. Das lässt sich niemals pauschal sagen. Der Vertrag, der für den einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein. Das prüfen wir in unserem Prozess sehr genau und beginnen damit, die Person, die wir beraten, genau kennen zu lernen.

Welche Alternativen gibt es, um an Barmittel zu gelangen, z.B. die Verpfändung von Verträgen?

Matthias Krapp: Die Verpfändung ist in manchen Fällen ein sinnvolles Mittel, um Kredite abzusichern. Um kurzfristig an Liquidität zu gelangen, ist es jedoch auch riskant. Hier sollte eine sinnvolle Finanzplanung schon in jungem Alter erfolgen und auch negative Szenarien enthalten. Damit kann jeder einfach feststellen, wie viel Liquidität denn wirklich langfristig investiert werden kann und wie viel in negativen Szenarien doch sofort benötigt werden kann.

Verträge von Bank- und Versicherungsprodukten sind kompliziert. Was können Versicherungsnehmer und Investoren tun, um einen Überblick zu erhalten und wo erhalten Sie den richtigen Ansprechpartner?

Matthias Krapp: Vergleichen und eigene Recherche können ein erster Schritt sein, unabhängige Beratung der nächste. Bei der Wahl des Beraters sollte unbedingt auf die Unabhängigkeit geachtet werden und auch hinterfragt werden, wie dieser sein Geld verdient. Auf Provisionsbasis besteht immer die Gefahr, dass der Berater Produkte mit hoher Provision auswählt.

Lebensversicherungen, Aktien oder fondsgebundene Rentenversicherungen: die Liste an Angeboten ist lang. Wie schätzen Sie Lage nach Corona für den privaten Altersvorsorge Markt ein? Werden weniger Menschen oder mehr Menschen privat vorsorgen und vor allem wie?

Matthias Krapp: Das ist nicht zu sagen, da viele wirtschaftliche Folgen von Corona noch gar nicht ersichtlich sind. Was ich sagen kann ist, dass anders gespart wird. Der Anteil der Aktionäre in Deutschland hat sich erhöht und wir merken auch, dass sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Einige mit guten Produkten, andere weniger. Eine pauschale Aussage lässt sich leider nicht tätigen. Grundsätzlich ist diese Bewegung gut.

Herr Krapp, vielen Dank für das Gespräch!

Ein älteres Interview mit Herrn Krapp lesen?

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