Mustafa Behan: Ideal wäre eine leicht steigende Inflation

Mustafa Behan ist Geschäftsführer WhoFinance GmbH. Mit ihm sprechen wir über gestiegene Energiekosten, Problem einer geringen Inflation sowie Schutz vor Geldentwertung.

Stark gestiegene Energiekosten haben das Leben in Deutschland verteuert. Die Verbraucherpreise lagen im Juli 3,8 Prozent über dem Level des Vorjahres.

Was sind die Gründe für die anziehende Inflation und welche Produkte werden besonders teuer?

Mustafa Behan: Die beiden wichtigsten Treiber hinter der anziehenden Inflation dürften die Vermögenspreise und die Energiepreise sein. Alle Vermögenswerte haben sich stark verteuert, von Aktien bis Immobilien. Gleiches gilt für die Öl- und Gaspreise. Die Ursachen dafür sind jedoch nicht die gleichen: Im Falle der Aktien und Immobilien sind die Ursachen im Niedrig- bzw. Null- oder sogar Negativzins zu sehen. Sprich, für andere Anlagen wie Anleihen bekommt man keine Zinsen oder muss sogar noch dafür bezahlen, wenn man das Geld auf die Bank legt. Bei den Energiepreisen macht sich neben pandemiebedingten Lieferengpässen auch die höhere CO2-Steuer bemerkbar.

Handelt es sich um eine temporäre Steigerung der Inflation oder werden wir uns an schnell steigende Preise gewöhnen müssen?

Mustafa Behan: Genau das ist die Frage, an der sich derzeit die Geister scheiden: die Zentralbanken scheinen jedenfalls von einem vorübergehenden Effekt auszugehen. Dass Preise auch an Grenzen stoßen können, sieht man gerade in China, wo in Peking die Preise für Neubau gerade rückläufig sind, weil sie keiner mehr bezahlen kann oder will. Oder an Kanada, wo gerade offen darüber nachgedacht wird, den Immobilienerwerb durch Ausländer zu limitieren, um die Preise im Griff zu behalten. Ich bin im Moment eher bei den Zentralbanken oder hoffe zumindest, dass sie Recht behalten. 

Experten betonten oft, dass eine erhöhte Inflation ein Luxusproblem für Deutschland sei. Inwiefern wäre eine zu geringe Inflation ein größeres Problem als eine steigende Inflation?

Mustafa Behan: Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte: bei einer zu niedrigen Inflation bliebe die Niedrig- oder Nullzinsphase auf Sicht zementiert. Eine steigende Inflation kann aber durchaus auch zum Problem werden, wenn sie zu schnell steigt. Kommen dann noch anziehende Zinsen hinzu, dann kann dies die gerade wegen der Coronafolgen teils hochverschuldeten Länder vor ernsthafte Probleme stellen. Ideal wäre daher eine leicht steigende Inflation, wie von der EZB angestrebt.

Für Sparer ist Inflation quasi eine schleichende Enteignung. Was können Anleger tun, um sich vor der Geldentwertung zu schützen?

Mustafa Behan: Grundsätzlich ist jeder private Anleger in einer eigenen Situation, mit eigenen Zielsetzungen und eigenen Beschränkungen. Ein allgemeingültiger Rat ist deshalb unmöglich – bis auf den dringenden Rat, sich mit einem qualifizierten Finanzberater zusammenzusetzen. Dies vorabgeschickt, hier einige Gedanken, bei denen sich der eine oder andere vielleicht wiederfindet: Private Anleger könnten zunächst einmal überlegen, wo sie vielleicht sogar von steigenden Preisen profitieren könnten und wo sie ihnen auf der anderen Seite am meisten wehtun. Staatsanleihen und größere Cash-Positionen sind derzeit die weniger empfehlenswerten Optionen. Im Moment scheinen Aktien tatsächlich eine sehr attraktive Anlagemöglichkeit zu sein. Die Aktienkurse gehören zu den mit der Inflation steigenden Vermögenspreisen. Bei diesen Aktien wiederum sind diejenigen Unternehmen besonders interessant, die über eine eigene Preisgestaltungsmacht am Markt verfügen. Wer das billige Geld nutzt, um sich eine selbstgenutzte Immobilie zuzulegen, macht vermutlich auch keinen Fehler, da er sich damit von der Entwicklung der Mietpreise unabhängig macht.

Höhere Renditen bedeuten in der Regel höhere Risiken. Wie lässt sich eine geeignete Strategie finden, um Risiko und Rendite in ein gutes Verhältnis zu bekommen?

Mustafa Behan: Auch wenn es etwas klischeehaft klingt: das funktioniert nur mit einer guten Beratung. Suchen Sie sich einen guten Finanzberater oder eine gute Finanzberaterin und besprechen Sie Ihre Situation, von Familie über Beruf bis hin zu ihren Plänen und Zielen. Schließlich ist es ja ein Unterschied, ob Sie Mitte Zwanzig und Berufsanfänger sind oder um die 50 mit zwei schulpflichtigen Kindern. Da reden wir von ganz anderen Planungshorizonten und Bedarfen. Gemeinsam müssen Sie dann herausfinden, wo Ihre Prioritäten liegen, wie schnell Sie beispielsweise an Ihr angelegtes Geld kommen müssen, und wieviel Risiko Sie in Ihrer jeweiligen Situation wirklich vertragen. Davon hängt dann Ihre Strategie ab, mit der Sie Risiko und Rendite in ein gutes Verhältnis bekommen. Die Beraterinnen und Berater mit den besten Kundenbewertungen finden Sie übrigens auf www.whofinance.de.

Herr Behan, vielen Dank für das Gespräch!

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