Peter Schmiederer: Der aufgestaute Konsumrückstau beginnt sich so langsam aufzulösen

Peter Schmiederer ist Geschäftsführer der VBeG – Schmiederer Vermögensbetreuung GmbH & Co. KG. Mit ihm sprechen wir im Interview über Inflation, Steigerung der Verbraucherpreise sowie Schutz gegen Inflation.

Peter Schmiederer

Im Januar 2021 ist die Inflation von im Dezember 2020 noch 0,3% auf +1% gestiegen. Was hat es damit auf sich?

Peter Schmiederer: In der Coronakrise haben die Menschen nicht die Möglichkeit die allgemeinen Konsumgüter zu kaufen, obwohl Sie das Bedürfnis haben. Der aufgestaute Konsumrückstau beginnt sich so langsam aufzulösen und entwickelt sich zu einer erhöhten Nachfrage. Dabei ist doch klar, dass die Anbieter auch ihre Preise etwas erhöht haben, um die entgangenen Gewinne wieder aufzuholen. Die Preiserhöhung trifft zugleich auf die Rohstoffpreisentwicklung wie z. B. die Energiekosten. (Rohölpreis und Gaspreise sowie die Stromkosten). Ein weiterer Faktor, der hinzukommen könnte, wäre eine nachhaltige Lohnsteigerung. Aber noch liegt der Anteil der Beschäftigten in Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bei gerade einmal 58 Prozent im Vergleich zu 61 Prozent vor der Krise. (USA).  In Europa noch schlechter. Insofern besteht bei der US-Notenbank (Fed) kein Anlass, die Zinsen anzuheben oder eine Maßnahme zu ergreifen gegen eine höhere Inflation.  Die Spannung ist erst dann interessant, wenn die Unterstützungsmaßnahmen auslaufen. Aber das wird erst ab dem Jahr 2024/25 sein. 

Sachwerte, wie Gold oder Immobilien wurden stets als Inflationssicher angepriesen – behalten Sachwert-Fans unter den aktuellen Entwicklungen recht?

Peter Schmiederer: Die Flucht in sogenannte Sachwerte kommt nicht von der Coronakrise, sondern beruht noch auf ein Vertrauensverlust aus der Lehmann-Pleite. Kurzer Exkurs. Die damalige Immobilienkrise (Suprimekrise) hat den beinahen Zusammenbruch des Finanzsystems hervorgebracht und die Anleger haben das Vertrauen in das Geld verloren. Finanzkrisen haben immer den gleichen Wertegang. Zuerst flüchten die Anleger in die sogenannten Sachwerte wie Edelmetalle (Gold, Silber und Edelsteine), das ist am einfachsten zu beschaffen. Danach folgt die Immobilie, denn für den Erwerb braucht es mehr Vorlaufzeit. Ist dies abgeschlossen, dann kommt der Anleger auf die Unternehmensbeteiligung auf den Kauf von Aktien. In dieser Phase sind wir bereits angekommen, aber noch lange nicht abgeschlossen, denn Finanzkrisen haben eine Laufzeit von ca. 25 Jahren. Dieser Entwicklungsprozess wurde allerdings von einem Lockdown die Pandemie unterbrochen und das Vertrauen erneut gestört. Weitere gewaltige Hilfen sind von den Staaten und Zentralbanken getätigt worden. Bei dieser enormen Staatsverschuldung kommt natürlich schon die Frage auf, ob das Vertrauen ins Geld wieder hergestellt werden kann. Eines ist sicher: die fiktiv niedrigen Zinsen werden noch lange bleiben. Allerdings werden die Zentralbanken auch bei guter Konjunkturlage versuchen, die Zinsen wieder auf Normalmaß zu bringen. Dann wird es sich zeigen, ob das gelingen mag. Steigen die Zinsen, dann sind die Sachwerte wie Immobilien die Verlierer, denn deren Barwert wird sinken. Ein Prozent Zinsanstieg sind ca. 8-10 Prozent Wertverlust. Diese gilt aber bei Aktien nicht, außer die Gewinner der Unternehmen sinken dauerhaft. Bei den Immobilien ist die Miete zusätzlich ein Risikofaktor, gerade bei einer alternden Gesellschaft, denn wenn die Mieten nicht mitsteigen, droht ein Wertverlust. Sollten die Statistiker Recht behalten, dann sind wir in Deutschland in den nächsten Jahren immer weniger Einwohner und es könnte zu Leerstand kommen. Ich bin selber gespannt.

Finanz-Untergangspropheten warnen jetzt hinsichtlich einer „Hyperinflation“, wie in den 20er Jahren. Erwartet uns solch ein Szenario? 

Peter Schmiederer: Ein Hyperinflation kann ich nicht sehen, denn dafür braucht es noch weitere nachhaltige Preissteigerungen. Dies ist in einer globalen Welt und in entwickelten Staaten nicht relevant.

Wenn nach der Coronakrise ein neuer Konjunkturzyklus einsetzt, werden dann die Verbraucherpreise steigen?

Peter Schmiederer: Ja zunächst, wie oben beschrieben, aber nach dem Zurückkommen auf Vorkrisenniveau werden sich die Preise wieder normalisieren.

Sollte in Deutschland die Inflation auf 3% hochgehen, wie manche Volkswirte erwarten? Was bedeutet das für Investoren in Deutschland?

Peter Schmiederer: 3 % auf die Verbraucherpreise kann ich mir nicht vorstellen. In einigen Sparten schon, aber nachhaltig nicht. Auch wenn die globale Welt sich etwas verändert hat, Güter werden dort hergestellt, wo die Kosten relativ günstig sind. Auch das wird sich wieder normalisieren. Volkswirte übertreiben gerne. Es ist sehr schwierig, die Ökonomie als Ganzes zu betrachten.

Was ist, Ihrer Meinung nach, ein guter Schutz gegen Inflation?

Peter Schmiederer: Wenn man es auf die Geldanlage abzielt, dann hilft nur eine Anlage in ein gut diversifiziertes Portfolio aus liquiden Anlagen wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle. „Die Dosis macht das Gift“.

Herr Schmiederer, vielen Dank für das Gespräch!

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