Robert Bönisch: Altersarmut wird ein kräftezehrendes Thema

Robert Bönisch ist CERTIFIED FINANCIAL PLANNER bei MLP Berlin IX. Mit ihm sprechen wir über Unterscheidung von Geschlechtern beim Investieren, Geldanlage sowie Erklärung für die Unterrepräsentation.

Robert Bönisch

Laut zahlreichen Studien setzen die meisten Frauen noch auf Sparbücher etc., anstatt in Wertpapiere zu investieren.  Studien lässt sich entnehmen, dass viele Frauen dem Kapitalmarkt skeptisch entgegentreten. Unterscheiden sich die Anlagestrategien von Männern und Frauen eigentlich grundlegend?

Robert Bönisch: Aus täglicher Praxis berichtet, kann ich diese Frage mit einem klaren „jein“ beantworten. Eine Unterscheidung nach Geschlechtern greift mir nicht weit genug. Alter, Bildungsstand, Familiensituation, wirtschaftliche Möglichkeiten und persönliche Ziele sind für meine Begriffe entscheidender und beeinflussen das generelle Interesse am Thema Geldanlage. 

Warum sind Frauen am Kapitalmarkt kaum aktiv? Gibt es eine Erklärung für die Unterrepräsentation?

Robert Bönisch: Auch hier möchte ich als MLP Berater und CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® auf die der Frage innenwohnenden Annahme aus Beratung meiner Kundschaft entgegnen: auf das Thema Kapitalmarkt angesprochen und auf künftige Herausforderungen aufmerksam gemacht, entzieht sich kaum jemand der eigenen Verantwortung. Auch das „traditionelle Familienbild“ beobachte ich in meiner im Schnitt 30jährigen Klientel kaum und sehe ambitioniertes Beschäftigen ohne Unterscheidungen. Inflation und die in sämtlichen Medien allgegenwärtigen Themen Vermögensaufbau, Altersversorgung, Demographiewandel mahnen eindringlich.

Was muss getan werden, um zukünftigen Kapitalmarktanlegerinnen den Einstieg zu erleichtern?

Robert Bönisch: Bildung, die nicht am Smartphone beginnt, sondern schon früh im Leben auf der Schulbank und in den Elternhäusern. Verdienste, Ausgabeverhalten, Kredite, Steuern und Versicherungen sind Themen, an die Kinder und Jugendliche kaum herangeführt werden. Bausparvertrag und das Girokonto waren zu gegebener Zeit verlässliche Begleiter. Im Zeitalter der Niedrigzinsen und Globalisierung sind sie es heute kaum. Sich mit dem gewonnenen Wissen und Selbstverständnis einen Überblick zu verschaffen und Geld nach eigenem Risikoempfinden und Vorgaben anzulegen, ist dann mit dem richtigen Ansprechpartner sicher und besser möglich. Sonst jedoch heißt das Zauberwort „beginnen“. Workshops, Webinare und Kurse zum Thema Geldanlage sollten offensiver mit dem „Einstieg“ arbeiten. Menschen, die sich in der Finanzwirtschaft mit Angeboten beschäftigen, werden erfolgreich sein, wenn sie sich mit den Fragen einzelner Gruppen auseinandersetzen und Beratungsangebote unterbreiten.

Warum sollten Frauen schnell einen Zugang zum Kapitalmarkt finden? Ist Altersarmut eine wirkliche Gefahr, die man mit Geldanlagen eingrenzen kann?

Robert Bönisch: Altersarmut wird für viele Menschen ein kräftezehrendes Thema sein. Durch Kindererziehungszeiten, dadurch stockende Altersvorsorge und Karrierelücken wird der Nachteil der Frauen durch die Politik nicht ausreichend in Balance gebracht. Geldanlage und damit verbundene, mögliche Geldmehrung kann zum Schließen der Lücke beitragen. Allerdings kann das keine Pauschalaussage sein, da jeder Mensch seinen eigenen Weg bestimmen sollte. Mit welchem Risiko im Portfolio schläft man ruhig? Welchen Themen möchte man sich mit seinen Anlagen widmen? Geldanlagen bleiben ein sehr individuelles und nicht allgemeingültiges Geschäft.

Könnten Robo Advisor eine Möglichkeit sein, um neue unerfahrene Anleger und Anlegerinnen den Weg in den Markt zu ebnen?

Robert Bönisch: Hier habe ich viele engagierte Starts miterlebt und fast genauso viele Geschichten zum Abflachen der anfänglichen Euphorie gehört. Für einen Anfang, zum Stillen der Neugier und bei jeweiligem Verständnis auch zur Weiterführung können die Programme dienlich sein. Für einen strategischen Vermögensaufbau, die auch weitere Konzentration auf die eigene Familie, Job und Freizeit, sollte je nach Sparvolumen das Grundgesetz der Geldanlage auch hier nicht aus den Augen verloren werden: Diversifikation, womit die Verteilung auf verschiedene Herangehensweisen gemeint ist. Verbunden mit vielen Fragen: Wann will ich wie auf welches Geld zugreifen? Wie volatil dürfen sich meine Anlagen entwickeln? Welche steuerlichen Auswirkungen haben welche Investitionen? Diese Fragen kommen in den Apps oft zu kurz und werden einer einfachen Bedienbarkeit geopfert. Hier halte ich meinen Berufsstand auch in Zukunft für unerlässlich. 

Kann man davon ausgehen, wenn mehr Information und Aufklärung erfolgt, dass in naher Zukunft die Zahl der Anlegerinnen zunehmen wird?

Robert Bönisch: Information und Aufklärung werden deutlich dazu beitragen. Allerdings wird auch die schiere Notwendigkeit dazu führen. Die Zahlen auf den Renteninformationen, Inflation und die fehlenden Alternativen werden – natürlich auch Frauen – mit diesem Thema verbinden.

Herr Bönisch, vielen Dank für das Gespräch!

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