Shrikala Jammalamadaka: Die Arbeitsmarktlage hat sich relativ gut erholt

Shrikala Jammalamadaka ist Inhaberin der Finance Dice Finanzberatung in Frankfurt am Main. Mit ihr sprechen wir über Sparverhalten der Bevölkerung, laufenden Ausgaben sowie Altersvorsorgeprodukte.

Corona hat für Kurzarbeit, eine schlechte Auftragslage und teils komplett geschlossene Branchenzweige gesorgt, zudem zahlt der Staat die Hilfen häufig zu spät. Glauben Sie diese Faktoren werden Auswirkungen auf die Spareinlagen der Deutschen haben?

Shrikala Jammalamadaka: Sicherlich hat das einen Einfluss auf das Sparverhalten der Bevölkerung. Es werden weniger Gelder zur Seite gelegt, da viel für die laufenden Ausgaben verwendet werden müssen. Laut Reportagen sind die Ausgaben für Lebensmittel und Haushaltswaren gestiegen seit dem Lockdown. Zusätzlich kommt dazu, dass die liquiden Mittel eines Haushalts angegriffen werden, weil staatliche Hilfen oftmals nicht ausreichen, um die zusätzlichen Ausgaben zu decken oder auch weil sie zu spät kommen. Oft kommt es vor, dass Familien anderen Familienangehörigen finanziell aushelfen mit liquiden Mittel, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Dadurch bleibt unterm Strich weniger für die üblichen Spareinlagen.

Können Sie in Ihrem Beratungsalltag feststellen, dass Menschen häufiger Altersvorsorge- bzw. Investmentprodukte kündigen, weil sie möglicherweise Liquidität benötigen?

Shrikala Jammalamadaka: Altersvorsorgeprodukte können nicht so einfach als Liquiditätsreserve herangezogen werden, wegen der Folgen bei der Kündigung, wie z.B. niedrige Rückkaufwerte. Auch eine Stundung der Beiträge ist nur eine vorübergehende Maßnahme, da die fehlenden Beiträge später nachgezahlt werden müssen. Außerdem werden die Leistungen am Ende der Beitragsphase dadurch geringer ausfallen, was viele nicht möchten. Eine dauerhafte Senkung des Beitrages führt ebenfalls zu niedrigen Renten am Ende der Beitragsphase. Investmentprodukte werden da eher herangezogen, um die Liquidität zu erhöhen, da hier eine Kündigung oder Aussetzung der Sparbeiträge unkompliziert erfolgen kann. Insbesondere bei Investmentsparplänen, Fondssparplänen und ETF-Sparplänen. Natürlich ergibt sich hier auch eine geringe Leistung zu Ende der Vertragslaufzeit, aber es fallen nicht so hohe Kosten an wie bei Altersvorsorgeprodukten. Hier fällt auch keine Nachzahlung der verpassten Beiträge an und man kann jederzeit später höhere Beiträge entrichten, um die geplante Leistung wieder zu erhalten. Die Kunden waren eher daran interessiert Kosten einzusparen, z.B. bei anderen Versicherungen, bei laufenden Finanzierungen – und die meisten waren interessiert daran Corona Hilfen in Form von zinsgünstigen Krediten zu beantragen, da diese bei vielen ausreichten die Verluste zu kompensieren.

Welche Alternativen gibt es, um an Barmittel zu gelangen, z.B. die Verpfändung von Verträgen?

Shrikala Jammalamadaka: Verpfändung von Altersvorsorgeverträgen ist so einfach nicht möglich. Ich würde sagen, dass man da keinen Partner für finden wird. Um an Barmittel zu gelangen ist es wichtig eine Haushaltsrechnung aufzustellen und unnötige Posten zu streichen, Versicherungsbeiträge wo möglich zu reduzieren oder beitragsfrei zu stellen, und auf jeden Fall Corona-Kredite, die über die KFW Bank angeboten werden, in Anspruch zu nehmen. Sehr häufig bieten lokale Banken auch lokale Förderprogramme an, wo die Bewilligungsschwelle sehr niedrig ist, also die Hürden, um diese zu erhalten, reduziert wurden, wie z.B. die Neustarthilfe oder kurzfristige Liquiditätskredite. Diese sind zwar nur als Kredite zu erhalten, aber durch den sehr niedrigen Zinssatz von 0,75% für die meisten bezahlbar.

Verträge von Bank- und Versicherungsprodukten sind kompliziert. Was können Versicherungsnehmer und Investoren tun, um einen Überblick zu erhalten und wo erhalten Sie den richtigen Ansprechpartner?

Shrikala Jammalamadaka: Bank- und Versicherungsprodukte sind stark verreglementiert, aber qualifizierte Makler, Versicherungsberater und Honorarberater sind ausgebildet, diese Produkte strukturiert vorzustellen, dem Kunden einen einfachen Überblick zu verschaffen und ermöglichen so den Kunden eine eigene Entscheidung zu fällen.

Lebensversicherungen, Aktien oder fondsgebundene Rentenversicherungen: die Liste an Angeboten ist lang. Wie schätzen Sie Lage nach Corona für den privaten Altersvorsorgemarkt ein? Werden weniger Menschen oder mehr Menschen privat vorsorgen und vor allem wie?

Shrikala Jammalamadaka: Laut aktuellen Statistiken hat sich die Arbeitsmarktlage relativ gut erholt und es ist nicht mit höheren Arbeitslosenzahlen zu rechnen, dank der Home Office Regelung. Da ein Anspruch auf Home Office ausgeweitet werden soll bzw. gesetzlich verankert werden soll, sehe ich eine Chance insbesondere für Frauen ihre Altersvorsorgeansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu verbessern. Also Frauen haben die Möglichkeit, sich ein festes Einkommensniveau zu sichern, haben somit mehr Geld zur Verfügung und können sich damit auch eine zusätzliche private Altersvorsorge aufbauen. Wie es in der Realität aussieht, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist jedem durch die Pandemie klar geworden, dass Vorsorgebedarf vorhanden ist und dieser auf die eine oder andere Weise angegangen werden muss. Insbesondere auf dem Gesundheitsmarkt hat sich durch Corona eine Lücke aufgetan, die es besonders gilt abzusichern.

Frau Jammalamadaka, vielen Dank für das Gespräch!

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