Sylvia Schlieder: Kunst ist emotional und bereichert unser Leben

Sylvia Schlieder ist Inhaberin von SCHLIEDER CONTEMPORARY in Frankfurt. Mit ihr sprechen wir über Investitionen in der Kunst, Notwendigkeit von Fachkenntnissen sowie Ausschluss von Totalverlusten.

Sylvia Schlieder

Wer in Kunst investiert, will oft Leidenschaft mit Rendite verbinden. Funktioniert auch oft, doch gerade bei diesem Investment sind Recherche und Fachkenntnis nötig. Dabei hat sich Kunst als Investment über die Jahre als sichere Kapitalanlage bewährt. Warum ist ein Totalverlust bei Kunstwerken fast komplett ausgeschlossen?

Sylvia Schlieder: Wenn wir von Kunst als Investment sprechen, geht es um sehr bekannte, renommierte Namen, die z.T. seit Jahrzehnten fest etabliert im Kunstmarkt sind und auch wieder wertbeständig, wenn nicht sogar wertsteigernd verkauft werden können.

Sammler betonen allerdings, dass Kunst keine reine Wertanlage ist. Was ist darunter zu verstehen?

Sylvia Schlieder: Kunst ist emotional und bereichert unser Leben, regt zum Diskurs an – daher schätzen wir Galeristen und Künstler, die Sammler, die Kunstwerke aus einem inneren Impuls kaufen und damit leben, anstatt sich das Werk ins Lager zu stellen, um es dann nach ein paar Jahren wieder dem Kunstzyklus zuzuführen.

Oftmals ist es der diffuse Kunstmarkt, der potenzielle Anleger dann doch abschreckt. Warum ist der Kunstmarkt so undurchschaubar?

Sylvia Schlieder: Für Laien ist der Einstieg in den Kunstmarkt sicher noch schwer. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, sich mit Künstlern, Galerieprogrammen und Kunstmessen auseinanderzusetzen, um aktiv sein Auge und seinen Kunstverstand zu schärfen, wird feststellen, dass der Markt doch viel transparenter ist, als allgemein vermutet. Weiterhin gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, um den Markt besser zu verstehen: Kunstplattformen wie Artnet, Artsy oder Artland geben Auskunft über aktuell verfügbare Werke und deren Preise und in z.T. kostenpflichtigen Preisdatenbanken können Auktionsergebnisse studiert werden, so dass Kunstinteressierte viel besser vorbereitet sind und vor einem Kauf Recherchen anstellen können. Für größere Investments stehen zudem Kunstberater zur Verfügung, die den Markt genau analysieren und Kaufempfehlungen abgeben können.

Das Kunstgebiet ist riesig und reich an Gattungen und Stilrichtungen. Aber welche Kunstwerke sind als Investition geeignet?

Sylvia Schlieder: Als sichere Investition würde ich die so genannten Blue Chip Künstler empfehlen. Nach den jüngsten Fälschungsskandalen im Kunstmarkt rund um die klassische Moderne jedoch würde ich aktuell nur Werke von noch lebenden zeitgenössischen Künstlern kaufen, die die Authentizität und lückenlose Provenienz des Werkes bestätigen können.

Auf welche steuerlichen Aspekte muss man beim Investieren in Kunst achten?

Sylvia Schlieder: Hier kommt es ganz darauf an, was wann gekauft wird und wo man ansässig und steuerpflichtig ist. Vor einem größeren Investment sollte man also eingehend den Steuerberater mit Schwerpunkt Kunstrecht konsultieren. Weiterhin ist es von Bedeutung, was Sie mit dem Kunstwerk machen möchten. Wer seine Kunst öffentlich ausstellt oder an Institutionen verleiht und somit einen Mehrwert für die Gesellschaft schafft, kann mit Steuerbegünstigungen wie etwa Erbschaftssteuerbefreiungen rechnen und Privatverkäufe können in der Regel umsatzsteuerbefreit abgewickelt werden.

Relativ neu im Kunstmarkt sind auch Art-Consultants. Wie können Kunstberater Anlegern effektiv helfen?

Sylvia Schlieder: Kunstberater arbeiten entweder unabhängig oder in-house für Banken etc., die ihren Kunden den bestmöglichen Service bieten möchten. Sie sind Experten auf dem Kunstmarkt und können sehr profunde Prognosen zum Kunstinvestment abgeben und ihre Kunden bestmöglich beraten.

Man sollte kein Geld in ein Kunstwerk stecken, das man schnell wieder kapitalisieren muss. Worauf sollte man Ihrer Meinung nach bei einem Kunstinvestment noch achten?

Sylvia Schlieder: Man sollte in der Tat allgemein Kunst nur dann kaufen, wenn man das Kapital übrig hat und nicht kurzfristig wieder benötigt. Wenn man Kunst als reines Investment sieht, kann es zum Teil auch Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis eine größere Wertsteigerung zu erwarten ist. Weiterhin sollte man meines Erachtens nur die Kunst kaufen, die man auch persönlich wertschätzt, denn Kunst ist ein emotionales Gut und sollte nicht wie eine reine Ware behandelt werden. Für solche Kunden würde ich eher das Investieren in Gold empfehlen. Ansonsten ist für ein gutes Kunstinvestment natürlich absolute Seriosität und Vertrauen in den Verkäufer notwendig. Man sollte sich mit anderen Sammlern und Beratern austauschen, Echtheitszertifikate auf Herz und Nieren prüfen und sich selbst mit dem Verkäufer oder Galeristen treffen und nicht alles einem Berater überlassen – das eigene Bauchgefühl ist in meinen Augen immer maßgebend.

Frau Schlieder, vielen Dank für das Gespräch!

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