Christian König: Sachwerte haben einen inneren Wert

Christian König ist einer der Gründer der iunto Finanzen GmbH und dort einer der Verantwortlichen für die Anlageempfehlungen für Privatkunden. Mit ihm sprechen wir über Angst vor Inflation, Vorteile von Sachwertinvestments sowie Aktienfonds.

Christian König

Die Angst vor Inflation ist zurück. Eine Alternative zu Geldinvestments sind Sachwertinvestments. Welche Assetklassen zählen hierzu?

Christian König: Nahezu alles, was materiell ist und einen Wert für Menschen hat, kann ein Sachwert sein. Sie können in Uhren, Comics oder sogar Sammelkarten investieren. Die Bandbreite an Sachwert-Investments ist nahezu unbegrenzt. Daher möchte ich mich auf die bekannteren Varianten beschränken: Aktien, Immobilien, Rohstoffe und die Anlageprodukte, die direkt in diese investieren.  Diese Anlageprodukte können z.B. Aktien- oder Immobilienfonds sein.

Welche Vorteile bieten Sachwertinvestment gegenüber klassischen Bank- und Versicherungsprodukten?

Christian König: Grundsätzlich unterscheiden sich Sachwerte von Geldwerten darin, dass diese einen „inneren Wert“ haben. Das bedeutet: Anders als bei Geld steht hinter Sachinvestments ein Wert, der nicht fiktiv ist. Hinter Aktien stehen reale Firmen, Gold ist seit Jahrtausenden ein beliebtes Zahlungs- bzw. Tauschmittel und Immobilien bieten ein solides Fundament aus Beton und anderen Materialien.

Der Wert von Geld hingegen basiert nur auf dem Glauben, dass sie morgen mit ihren 5 € die gleiche Menge an Brötchen erhalten wie heute. Sollte die Notenbank (in Europa ist das die EZB) also Geld drucken, so verringert dies aufgrund der höheren Geldmenge den Wert ihres Geldes. Im Extremfall einer Hyperinflation (eine extrem erhöhte Geldmenge) können sie dann morgen nicht mehr dieselbe Menge an Brötchen kaufen wie heute. Dies gilt logischerweise auch für Geldwerte wie Bausparverträge, klassische Lebensversicherungen oder Anleihen. Je höher die Inflation ist, desto weniger sind diese auch Wert. Hat ihre Anleihe eine Verzinsung von 1 % und die Inflation beträgt 2 %, so haben sie eine effektive Verzinsung von -1%.

Sachwertinvestments haben (in der Regel) diesen Nachteil nicht. Da ihr Wert nicht aus dem Wert des Geldes entsteht, bleiben sie von der Inflation unberührt. Sogar im Gegenteil: Inflation steigert ihren Wert sogar. Auch kann eine erhöhte Inflation den Wert des Sachwertes aufgrund der Nachfrage nach inflationsgeschützten Werten steigern. Hier gilt das Grundprinzip: Je höher die Nachfrage, desto höher der Preis.

Sachwertinvestments sind häufig mit unternehmerischen Risiken verbunden. Sind sie also nur für Experten geeignet?

Christian König: Jein. Jedes Sachwertinvestment birgt seine eigenen Risiken und derer müssen sie sich als Privatanleger bewusst sein. Die Regeln für Investments in Sachwerte sind recht simpel:

1.         Habe ausreichend liquide Geldmittel für Notfälle zur Verfügung!

Sollten sie aufgrund eines Ereignisses (Unfall, Verlust des Autos, Beschädigung des Hauses etc.) Geld benötigen, kann es nachteilhaft sein, wenn Sie Sachwertinvestments verkaufen müssen. Besonders, wenn diese gerade einen negativen Wert haben oder sich, wie Immobilien oder Rohstoffe, nicht so schnell verkaufen lassen. Haben Sie daher immer ausreichend Bargeld auf ihrem Konto.

2.         Kenne dein Investment!

Viele Privatanleger beschäftigen sich nicht ausreichend mit ihren Sachwertinvestments und legen ihr Geld blauäugig an. Einige Bekannte haben privat auf dem Höhepunkt des Kursanstieges in Fonds für erneuerbaren Energien investiert, weil diese Investments aufgrund des politischen und gesellschaftlichen Drucks „steigen müssen“. Die Quittung waren Wertverluste von teils über 30 % innerhalb eines halben Jahres. Sie sollten sich vor einem Investment ausreichend mit der Materie beschäftigen, etwas Erfahrung sammeln und im Zweifel einen Profi zur Unterstützung heranziehen.

3.         Streue deine Investments und habe Geduld!

Schon Oma wusste: Lege deine Eier nicht in einen Korb! Je stärker Sie ihre Investments verteilen, desto geringer ist ihr Risiko. Sollte ein Investment an Wert verlieren, so gleichen die anderen Investments die Verluste durch ihren Gewinn wieder aus. Dabei darf man den Faktor Zeit nicht unterschätzen. Anlagen in Sachwerte sind ein Marathon, kein Sprint. Sie sollten sich 5-10 Jahre Zeit nehmen.

Sollten Sie diese Regeln beachten, machen Sie schon vieles richtig!

Aktienfonds und offene Immobilienfonds sind bekannte Anlageklassen. Es gibt aber auch geschlossene Fonds. Worin unterscheiden sich diese von klassischen Fondinvestments?

Christian König: Offene Fonds sind am Markt für jeden frei verfügbar, jeder kann sie bereits mit einer niedrigen Menge an Geld (oftmals schon 25 €) kaufen und sie sind (mit Ausnahme von offenen Immobilienfonds) jederzeit verkäuflich. Oft sorgen sie aufgrund einer breiten Streuung für mehr Sicherheit. Das macht sie besonders flexibel. Allerdings hat man oft keine Kontrolle darüber, worin das Geld investiert wird. Dies entscheidet der Fondsmanager oder ein Computer (Algorithmus/KI). Geschlossene Fonds hingegen sind nicht frei am Markt käuflich und haben in der Regel eine einmalige höhere Mindestanlagesumme, die für ein Projekt bzw. mehrere Projekte aufgebracht wird. Dafür werden sie an dem Anlageobjekt unternehmerisch beteiligt. Das können z.B. große Gewerbeimmobilien, Container oder Windkraftanlagen sein. Auch hier gibt es eine breite Möglichkeit der Anlage. In der Regel ist diese Anlage auch deutlich transparenter. Die Anlageobjekte sind wenige und oftmals wird auch ausgewiesen, wo diese stehen. Sie haben die Kontrolle darüber, wohin ihr Geld fließt und in was. Ausschüttungen werden allerdings auch erst ausgezahlt, wenn es die ersten Gewinne gibt und ich kann meine Anlagesumme meist vor Ende der vereinbarten Laufzeit nicht entnehmen. Ein Ausstieg ist meist teuer oder nur machbar, wenn jemand ihren Anteil übernimmt. Wenn Sie die falsche Wahl getroffen haben, können Sie auch ihr gesamtes Geld verlieren oder haben in manchen Varianten eine Nachschusspflicht, sodass sie mehr einzahlen müssen als sie ursprünglich geplant haben. Dafür bieten geschlossene Fonds einen großen Vorteil: Aufgrund des größeren Risikos können hier deutlich höhere Renditen erwirtschaftet werden. 

Sind geschlossene Fonds aus Ihrer Sicht für Privatanleger geeignet?

Christian König: Aus meiner Erfahrung sind geschlossene Fonds für die große Mehrheit der Privatanleger nicht geeignet, da die meisten Anleger sich mit der Materie nicht auseinandersetzen und sich nicht bewusst sind, welche Risiken sie eingehen. Für die Mehrheit halte ich offene Fonds für die sinnvollere Variante der Anlage. Für jeden Privatanleger, der die obigen Regeln jedoch beachtet, kann die Anlage in geschlossene Fonds als Beimischung durchaus interessant sein.

Herr König, vielen Dank für das Gespräch!

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