Nachfrage nach Finanzierungen ist konstant hoch – Juri Betger (whatsbaufi GmbH)

Juri Betger ist Geschäftsführer der whatsbaufi GmbH. Im Interview spricht er über steigende Bauzinsen im deutschen Immobilienmarkt und die Entwicklung der Immobilienpreise.   

Juri Betger

Eine Analyse des Kreditvermittlers Interhyp deutet daraufhin, dass die Bauzinsen auf durchschnittlich 1% gestiegen sind. Welche Entwicklung stellen Sie im Tagesgeschäft fest?

Juri Betger: Die Zinsen sind leicht gestiegen, aber die Nachfrage nach Finanzierungen ist konstant hoch. 

Angenommen der Bauzins steigt tatsächlich: Welche Auswirkungen oder sogar Risiken entstehen für angehende Immobilienbesitzer?

Juri Betger: Nach einem historischen Tief der letzten Jahre erlebt der Markt einen leichten Anstieg, eine ruckartige Erhöhung sehen wir aktuell aber eher nicht. Des weiteren haben deutsche Banken strenge Richtlinien, so müssen Käufer eine Belastung (Kalkulatorische Annuität) von ca. 6 p.a. Tragen können. Über die gesamte Laufzeit kalkulieren die Banken also bereits mit einem möglichen Zinsanstieg. Auch werden die Zinsbindungen tendenziell länger – 15 bis 20 Jahre sind sehr beliebt. Das verschafft etwas mehr Planbarkeit. Persönliche Risiken wie Jobverlust sind hier aber nicht berücksichtigt.

Viele Experten schätzen, dass die Inflation steigt. Gibt es einen Zusammenhang mit den Bauzinsen?

Juri Betger: Sehr vielschichtiges Thema, seit Januar diesen Jahres steigt die Inflationsrate. Selbst die EZB hält zum Jahresende 3% für möglich, spricht aber von einem vorübergehenden Trend. Dies kann sich natürlich auch im Bauzins kurzfristig widerspiegeln.

Von welchen weiteren Faktoren ist der Bauzins-Anstieg noch abhängig? Wohin geht der Trend?

Juri Betger: Das ist ein ganzheitliches Thema. Gemessen an den letzten 15 Jahren hat sich der Bauzins von 5% auf 0,4% entwickelt. Aber vor 15 Jahren war der Euroraum noch ein anderer und Corona nur ein Bier. Aktuell ist der Trend, dass der Bauzins für die nächsten drei bis fünf Jahre auf dem jetzigen Niveau stagniert. Schwankungen von 0,2% bis 0,3% sind aber in beide Richtungen möglich.

Immobilienpreise steigen insbesondere in den Großstädten und gleichzeitig steigen die Bauzinsen. Werden sich in Zukunft immer weniger Menschen ein Eigenheim leisten können?

Juri Betger: Der aktuelle Zinsanstieg ist zum Preisanstieg aktuell noch eher moderat. Die Zinsen sind immer noch niedrig. Langfristig würden höhere Zinsen diesen Trend aber eher verlangsamen und auch Gutverdiener empfindlicher treffen. In Großstädten sorgt eher das knappe Angebot für den Preisanstieg im Markt. Das ist aber ein politisches Thema.

„Wohnraum vor Büroraum“ und Senkung der Grunderwerbssteuer für Selbstnutzer können sich auch positiv auf Großstädte auswirken. Weiter möchte ich festhalten, dass es starke regionale Unterschiede gibt – das Eigenheim muss nicht immer in der Großstadt sein. Hier gibt es auch gewisse Trends.

Herr Betger, vielen Dank für das Gespräch.

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