Regina Vossen: Sachwerte gelten als wertstabil

Regina Vossen ist Inhaberin Finanzservice Regina Vossen. Mit ihr sprechen wir über Angst vor Inflation, Alternativen sowie Vorteile von Sachwertinvestments.

Die Angst vor Inflation ist zurück. Eine Alternative zu Geldinvestments sind Sachwertinvestments? Welche Assetklassen zählen hierzu?

Regina Vossen

Regina Vossen: Zu den Sachwertinvestments zählen insbesondere Geldanlagen in Unternehmen, Immobilien, Grundstücken, Rohstoffen, Edelmetallen. Aber auch z.B. Windenergieanlagen, Solaranlagen, Holz, Kunstwerke, Antiquitäten gelten als Sachwertanlagen. Sachwertinvestments werden als direktes Investment (z.B. in einer einzelnen Immobilie) im Rahmen von klassischen Investmentfonds (z.B. in einem Aktienfonds) oder auch als geschlossene/unternehmerische Beteiligungen angeboten. Als Sachwertanlagen werden Geldanlagen bezeichnet, bei denen ein realer Gegenwert vorhanden ist. 

Welche Vorteile bieten Sachwertinvestment gegenüber klassischen Bank- und Versicherungsprodukten?

Regina Vossen: Sachwertinvestments können ihren Wert auch dann erhalten, wenn dieser inflationsbedingt im Laufe der Jahre sinkt. Sachwerte gelten deshalb auch als wertstabil und werden besonders in Krisenzeiten gern nachgefragt. Bei klassischen Bankprodukten wird Geld an eine Bank „verliehen“ gegen das Versprechen, einen bestimmten Zinssatz und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Geld zurückzubekommen. Kann die Bank das Versprechen nicht einlösen, bekommt man sein Geld nicht zurück. Unterliegt die Anlage dem Einlagensicherungsfonds, erstattet dieser zwar den angelegten Betrag, nicht jedoch die zugesagten Zinsen. Der in einem klassischen Bankprodukt angelegte Betrag ist nicht gegen Inflation geschützt. Klassische Versicherungsprodukte können derzeit – wie auch klassische Bankprodukte – wenig bis gar keinen Zuwachs erwirtschaften, da das Geld der Anleger weitgehend konservativ, also zinsabhängig, angelegt werden muss. Hinzu kommt, dass Versicherungsverträge zusätzlich auch noch Gebühren kosten. Gute Sachwertinvestments werden auch in Niedrigzinsphasen einen Gewinn erwirtschaften, da sie grundsätzlich nicht zinsabhängig sind.   

Sachwertinvestments sind häufig mit unternehmerischen Risiken verbunden. Sind sie also nur für Experten geeignet?

Regina Vossen: Nein. Viele Sachwertinvestments sind sehr gut auch für „Nicht-Experten“ geeignet. Voraussetzung ist eine gute Aufklärung über das Investment und dessen Funktionsweise, Chancen und Risiken. Auch bei einem Aktieninvestment unterliegt man unternehmerischen Risiken, auf die man keinen Einfluss hat. Ein gutes Beispiel ist auch die Immobilie, die gekauft und vermietet wird. Sie ist ein klassisches Sachwertinvestment mit Risiko (z.B. eines Mietausfalls). Diese Art von Sachwertinvestment wird aber seit Jahrzehnten von sehr vielen Privatpersonen als besonders sicher und wertstabil bevorzugt, ohne dass die Risiken dabei im Vordergrund stehen oder der Immobilienbesitzer ein Experte sein muss. 

Aktienfonds und offene Immobilienfonds sind bekannte Anlageklassen. Es gibt aber auch geschlossene Fonds. Worin unterscheiden sich diese von klassischen Fondinvestments?

Regina Vossen: Geschlossene Fonds sind Investments, bei denen der Anleger für eine bestimmte Zeit (mehrere Jahre) über sein Geld nicht verfügen kann, auch nicht dann, wenn das Geld für andere Zwecke benötigt wird. Läuft die Anlage nicht so gut, kann das Geld also nicht vorzeitig zurück verlangt werden. Der Vorteil dabei ist, dass die Fonds sicher mit dem angelegten Geld kalkulieren und damit potenziell auch bessere Erträge erwirtschaften können. Bei klassischen Aktienfonds können Fondsanteile in der Regel täglich verkauft werden. Bei offenen Immobilienfonds gibt es zwischenzeitlich auch eine Mindesthaltedauer von 3 Jahren ab dem Kauf und zusätzlich eine Kündigungsfrist, da Immobilien eben nicht beliebig schnell verkauft werden können, um Auszahlungen an die Anleger vorzunehmen.  

Sind geschlossene Fonds aus Ihrer Sicht für Privatanleger geeignet?

Regina Vossen: Ja, unbedingt. Voraussetzung ist eine sachkundige ausführliche Beratung, die auch die Produkte kompetent prüft und auf die Rahmenbedingungen des Kunden bzw. der Kundin abstimmt. Die früher als „grauer Markt“ und oft als unseriös bezeichneten geschlossenen Fonds sind mittlerweile ebenso wie die klassischen Investmentfonds transparent und von der Aufsichtsbehörde reguliert und überwacht.  

Frau Vossen, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.