Benjamin Thomsen: Die perfekte Bewerbung

Benjamin Thomsen ist Geschäftsführer HAPEKO / Hanseatisches Personalkontor GmbH. Im Interview beantwortet er die Frage zur traditionellen Bewerbung und gibt Tipps zu Bewerbungsunterlagen.

Passfoto oben rechts: Herr Thomsen, ist die traditionelle Bewerbung noch zeitgemäß?

Benjamin Thomsen

Benjamin Thomsen: In der Bewerbung ist der Platz des Fotos heute völlig egal. Traditionelle und klassische Werte zählen trotzdem. Entscheidend ist bei jeder Bewerbung die Vollständigkeit:  Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse müssen komplett, Nachweise über Fortbildungen und Referenzen sollten mitgeliefert sein. Und das Foto? Aktuell muss es sein, dazu professionell und aussagekräftig

Was halten Sie von ausgefallenen, extravaganten und möglichst originellen Bewerbungen?

Benjamin Thomsen: Kreativ ja, extravagant ungern. Natürlich unterscheiden wir auch bei HAPEKO, ob wir die Bewerbung von einem Buchhalter oder einer Architektin bekommen. Kandidaten in Kreativberufen spiegeln dies auch in ihren Bewerbungen. Allzu ausgefallen sollten die Unterlagen aber nicht sein, vor allem nicht bemüht originell. Unsere Klienten sind zum überwiegenden Teil Mittelständler, meist inhabergeführt. Für die steht ganz klar die Funktionalität im Vordergrund.

Welche Tipps können Sie für die Bewerbungsunterlagen geben?

Benjamin Thomsen: Eine Bewerbung ist wie ein Schaufenster. Natürlich geht es um Inhalte, um Qualifikationen. Aber die Unterlagen sind auch Eigenmarketing der Bewerber:innen. Neben fachlichen Kompetenzen müssen auch Soft Skills schnell ersichtlich sein. Deshalb sollte eine Bewerbung auch nie zu ausufernd sein. Kommunizieren Sie das, was Sie gezielt kommunizieren wollen. Beim Schrotschuss wissen Sie nie so genau, was wirklich hängenbleibt. Kein Personalleiter:in oder Geschäftsführerin:in liest sich viele Seiten durch. Umfragen haben ergeben: Im Durchschnitt nimmt sich ein Personalverantwortlicher nur etwa eine Minute lang Zeit, einen CV anzusehen. Dann wissen Sie: Sie müssen Ihr Gegenüber schnell von sich überzeugen! Insgesamt sollte jemand auf den Punkt bringen, warum er oder sie den Mehrwert für ein Unternehmen bietet. Nur so macht man sich zum idealen Kandidaten.

Wenn diese Hürde genommen ist: Welche Faktoren entscheiden im Bewerbungsgespräch?

Benjamin Thomsen: Jetzt gilt es, den positiven Eindruck aus dem CV mit Leben zu füllen. Im Erstgespräch prüfen unsere Klienten neben der fachlichen Qualifikation den ebenso wichtigen menschlichen Faktor. Passt der Kandidat ins Team? Wird er zum Ausbau der positiven Unternehmenskultur beitragen? Ist er authentisch oder spielt er Authentizität nur vor? Aber vergessen Sie nicht:  Kennenlernen ist nie eine Einbahnstraße – auch ein Unternehmen muss neben einer Position Benefits liefern, damit sich Kandidatin oder Kandidat an Bord holen lassen.

HAPEKO berät seine Mandanten auch dahingehend, und zwar zielgerichtet. Wer die Besten will, muss das beste Paket bieten. Flexible Arbeitszeiten, unbefristete Verträge und flache Hierarchien sind heutzutage nahezu obligatorisch. Wenn Arbeitgeber keine Lösungen entwickeln, haben sie die Zeichen der Zeit im Arbeitsmarkt nicht erkannt.

Bei der sogenannten Generation Y ist zwar das Salär wichtig, aber eine wichtige Rolle spielt auch die Work-Life-Balance bei den heute bis zu 35-Jährigen. Was übrigens nicht als Gegensatz zu einer hohen Ergebnis- und Leistungsorientierung verstanden werden darf. Aber natürlich stehen flexible Arbeitszeiten hoch im Kurs – den klassischen Nine-to-five-Job will diese Generation überhaupt nicht, und nach Home Office fragen immer mehr. Da hat vielen Unternehmen die Pandemie auf die Sprünge geholfen und Dinge im Positiven beschleunigt. Aber natürlich gilt das nur für die sogenannten Wissensberufe – eine Werkzeugmaschine kann ich als Arbeitnehmer schließlich nicht in mein Wohnzimmer mitnehmen.

Welche Berufe werden derzeit gesucht?

Benjamin Thomsen: Größten Bedarf gibt es an Fachkräften in der Baubranche, der IT und dem Engineering. Nehmen Sie mal dieses Verhältnis: Auf zehn Arbeiternehmer:innen, die aktuell in Rente gehen, folgen nur sechs nach. Vier Stellen bleiben also unbesetzt, zumindest zunächst. Und dieses Verhältnis wird noch weiter auseinanderklaffen.

Fachkräfte für alle Felder rund um die Digitalisierung werden durch COVID massiv gesucht, das reicht von der Logistik über Finance und Sales bin zur Automatisierung in der Produktion. Wirklich alle Unternehmensbereiche sind von Veränderungen durch die Digitalisierung betroffen – und auch dieser Wandel durch COVID ist durchaus positiv zu verstehen. Wir beraten unsere Mandanten im Hinblick auf oft disruptive Prozesse und besprechen zusammen, welche Fach- und Führungskräfte für ein Unternehmen in einer bestimmten Phase perfekt passen. Schließlich ist das unser Job: Die Firmenlenker bestmöglich beraten – und dann die besten Menschen auf dem Arbeitsmarkt finden.

Herr Thomsen, vielen Dank für das Gespräch!

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