Brigitte Heßler: Ein Foto ist heutzutage kein Muss mehr

Brigitte Heßler, Manager HR Shared Services bei Randstad Deutschland GmbH & Co. KG, beantwortet im Interview Fragen zu Bewerbungen, Lebenslauf und Bewerbungsgespräch.

BewerberInnen sind sich uneins, ob das Passfoto oben rechts nicht längst out ist in Deutschlands Personalabteilungen. Ist die traditionelle Bewerbung noch zeitgemäß?

Brigitte Heßler

Brigitte Heßler: Ein Foto ist heutzutage kein Muss mehr, kann aber natürlich das Gesamtbild, das sich ein Personaler von einer Bewerberin oder einem Bewerber macht, abrunden. Ob es dann links oder rechts auf dem Lebenslauf oder mittig auf einem Deckblatt seinen Platz findet, ist völlig unerheblich. Ein Großteil der Unternehmen hat mittlerweile auf digitale Bewerbungsverfahren umgestellt – häufig kann dort auch ein Foto einzeln hochgeladen werden. Bei vielen Firmen ist sogar ein Anschreiben nicht mehr notwendig, ein Lebenslauf oder beispielsweise die aus dem LinkedIn- oder Xing-Profil verlinkten Daten sind dann in einem ersten Schritt ausreichend. Da die Erstellung eines Anschreibens in der Regel besonders zeitaufwendig und eine gewisse Hemmschwelle ist, kann dies für viele Bewerber:innen die Entscheidung für eine Bewerbung erleichtern.

Was halten Sie von ausgefallen Bewerbungen, die den üblichen Rahmen mehr oder weniger sprengen?

Brigitte Heßler: Damit stechen Bewerber:innen auf jeden Fall hervor und bleiben in Erinnerung. Beispielsweise kann ein Video häufig einen besseren Eindruck einer Person, ihres Auftretens und ihrer Motivation vermitteln als ein Anschreiben. Bewerber:innen sollten aber versuchen abzuschätzen, ob eine solche Bewerbung bei ihrem Wunschunternehmen gut ankommen wird oder nicht. Das ist sehr von der Unternehmenskultur abhängig und auch von der Stelle, auf die man sich bewirbt. Es ist ein Unterschied, ob ich mich bei einer Bank oder einem Versicherungsunternehmen, einem Krankenhaus oder in einer Werbeagentur vorstelle. Bei aller Kreativität sollte auf jeden Fall deutlich erkennbar sein, warum man sich auf diesen Job bzw. bei diesem Unternehmen bewirbt.

Welche Tipps können Sie für die Bewerbungsunterlagen geben?

Brigitte Heßler: Wichtig ist, dass eine Bewerbung Persönlichkeit, Qualifikationen und Motivation der Bewerberin oder des Bewerbers erkennen lässt. Der Lebenslauf sollte klar strukturiert, chronologisch geordnet und übersichtlich sein. Es ist sinnvoll, relevante Joberfahrungen näher zu beschreiben und hervorzuheben, warum diese Erfahrungen für den gewünschten neuen Job nützlich sind. Leider nicht immer selbstverständlich aber doch immens wichtig ist korrekte Rechtschreibung. Auch Referenzen oder Zeugnisse über Zusatzqualifikationen können viel über Bewerber:innen aussagen. Im Zweifel aber gilt: Weniger ist mehr, man sollte auswählen, was für den jeweiligen Job tatsächlich relevant ist. Zeugnisse oder Zertifikate können auf Wunsch auch noch nachgereicht werden.

Was ist entscheidend im Bewerbungsgespräch?

Brigitte Heßler: Wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, hat mit seinen Bewerbungsunterlagen überzeugt und so schon einmal die erste Hürde genommen! Nun kommen auch Persönlichkeit und gegenseitige Sympathie ins Spiel. Auf ein solches Gespräch sollten Bewerber:innen sich gut vorbereiten – für die zu besetzende Position notwendiges Fachwissen und Kenntnisse über den neuen Arbeitgeber und die jeweilige Branche sollten ausreichend vorhanden sein. Auch sollte man sich auf Fragen nach beispielsweise der Bewerbungsmotivation, den eigenen Stärken und Schwächen, bisherige Erfolge und Misserfolge oder auch nach etwaigen Lücken im Lebenslauf einstellen und Antworten parat haben. Und natürlich sollte man darstellen können, warum man als Person und mit seinen Qualifikationen ein Gewinn für das Unternehmen sein wird! Ebenso wichtig ist es, sich eigene Fragen nach den kommenden Aufgaben und Erwartungen, dem Arbeitsumfeld oder dem Team, nach flexiblen Arbeitszeiten oder auch beispielsweise der Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, zurecht zu legen. Je besser man sich vorbereitet, desto ruhiger und damit auch souveräner geht man meist in ein solches Gespräch. Die meisten Gespräche finden aktuell ja virtuell statt. Hier ist es noch wichtiger, viele Fragen zu stellen, um sich so gut wie möglich gegenseitig kennenlernen zu können.  Trotz aller Nervosität sollte man sich aber auch immer bewusst machen, dass nicht nur man selbst als Bewerber einen Job sucht, sondern dass auch die Unternehmensvertreter auf der anderen Seite des Tisches eine Stelle bestmöglich besetzen möchten und auf der Suche nach Talenten sind.

Welche Faktoren versuchen Sie in Ihrem Unternehmen vor eine Einstellung zu erörtern?

Brigitte Heßler: Natürlich sollte die erforderliche fachliche Qualifizierung vorhanden sein. Ansonsten geht es vor allem darum zu sehen, ob die Bewerberin oder der Bewerber wirklich motiviert ist und in die jeweilige Unternehmenskultur passt. Die Grundeinstellung muss stimmen – eventuell fehlende fachliche Skills kann man noch erlernen.

Wie wichtig ist die Work-Life-Balance, schließlich kann das System nicht in jeder Branche berücksichtigt werden?

Brigitte Heßler: Die sogenannte Work-Life-Balance generell ist immens wichtig, hat aber auch für für jeden Menschen eine ganz unterschiedliche Bedeutung. Je nach den jeweiligen Lebensumständen aber auch der persönlichen Motivation und Belastbarkeit ist für den einen ein Nine-to-Five-Job das Richtige; ein anderer startet vielleicht schon um sieben Uhr morgens, macht mittags zwei Stunden Sport und sitzt dafür abends noch mal vor dem Rechner. Der eine will im Feierabend nichts mehr von der Arbeit hören, der andere trifft sich mit Kolleg:innen noch auf ein Bier und entwickelt dabei die nächste Projektidee. Wichtig ist, dass jeder Mensch sein eigenes Gleichgewicht zwischen seiner Arbeit und frei gestaltbarer Zeit findet. Aber auch die Arbeitgeber sollten gut auf dieses Gleichgewicht achten, den Workload ihrer Mitarbeiter:innen und ihr Wohlbefinden im Blick haben. Das ist gerade aktuell, wo so viele Arbeitnehmer:innen im Homeoffice arbeiten und man häufig nur digital Kontakt halten kann, extrem wichtig.

Welche Berufe werden derzeit in Ihrem Unternehmen gesucht? Stellen Sie langfristig ein?

Brigitte Heßler: Die Randstad Gruppe ist als Personaldienstleister sind sehr vielfältig aufgestellt und immer auf der Suche nach Mitarbeiter:innen. Wir sind in so ziemlich allen Berufsfelder vernetzt und vertreten – von Dienstleistung und Service, Handwerk, Logistik, IT oder Finanzwesen bis hin zu medizinischen Berufen, beispielsweise in der Pflege. Gerade in der Arbeitnehmerüberlassung werden immer motivierte Kräfte gesucht – niedrig qualifizierte Hilfskräfte ebenso wie Facharbeiter und Spezialisten. Auch die Modelle sind vielfältig: Einige unserer Mitarbeiter:innen entscheiden sich bewusst über Jahre für die Flexibilität der Zeitarbeit, rund 30 Prozent wechseln nach einem Zeitarbeitseinsatz in eine Direktanstellung beim Kundenunternehmen. Wir vermitteln freiberufliche ITler in Projekte oder hoch qualifizierte Manager in eine neue Festanstellung. Ein Gespräch mit uns kann sich also immer lohnen!

Frau Heßler, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.