Constance Ast: Einen Beruf wählen, für den das Herz schlägt

Constance Ast ist geschäftsführende Gesellschafterin bei CBA Personalberatung GmbH. Mit ihr sprechen wir über Ausbildungsmarkt, potentielle Kandidaten sowie Akademisierung.

Constance Ast

Der Fachkräftemangel in Ausbildungsberufen ist geraumer Zeit ein großes Thema. Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf die ohnehin schon wackelige Ausbildungsbranche?

Constance Ast: Die Corona Pandemie hat auf allen Seiten zu großer Verunsicherung geführt. Im Moment bemerke ich jedoch eine Entspannung bei den Unternehmen, es wird wieder eingestellt. Für einige Unternehmen war das Jahr 2020 besser als befürchtet abgeschlossen worden. Insofern erwarte ich, dass der Ausbildungsmarkt sich spätestens 2022 wieder auf normalem Niveau befindet.

Welche Gründe sehen Sie in der sinkenden Nachfrage? Handelt es sich einzig um Verunsicherung seitens der potentiellen Bewerberinnen und Bewerber?

Constance Ast: Von welcher sinkenden Nachfrage sprechen Sie? Meinen Sie die, dass zu wenig Ausbildungsplätze angeboten werden oder sich zu wenig Bewerber auf offene Ausbildungsplätze im Fachkräftebereich bewerben?

Prinzipiell denke ich ist jedes Unternehmen gut beraten, aktiv und rechtzeitig Kontakte zu potentiellen Kandidaten zu knüpfen und auch die eigene Attraktivität sicher zu stellen. Nur so können Unternehmen ihre eigene Zukunft sichern.

Vielfach kritisiert wird die mangelnde Attraktivität der Ausbildungsberufe aufgrund der geringen Entlohnung und den familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen, als Beispiel in der Pflege. Nun kommt zudem die Verunsicherung durch die Corona-Pandemie hinzu. Welche Möglichkeiten haben Unternehmen noch, um die nächste Generation für sich zu gewinnen?

Constance Ast: Viele Unternehmen tun einiges dafür, um attraktiv für Kandidaten zu sein. Ein Umdenken in der Gesellschaft ist aber ergänzend zwingend notwendig. Anerkennung und Respekt für diese Ausbildungsberufe sind absolut notwendig. Selbstverständlich auch eine gerechte Entlohnung. 

Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich aufgrund der besseren Bedingungen für ein Studium. Was bedeutet dies für Ausbildungsberufe im Zusammenhang mit der Akademisierung. Werden in Zukunft vielleicht auch Tischler, Konditoren und Maler in einer Hochschuleinrichtung ausgebildet?

Constance Ast: Ich kann hier nur an das oben gesagte anknüpfen. Solange ein Akademiker in der Gesellschaft eine höhere Anerkennung erfährt als ein Maler oder Tischler, werden wir uns weiterhin schwertun. Klar muss sein, dass wir das ganze Spektrum benötigen. Außerdem ist es gerade für Studienabgänger sehr schwer direkt einen Einstieg in das Berufsleben zu finden. Viele müssen mit Praktika oder Jobs überbrücken. Vielleicht ist dies noch zu unbekannt?

Fachkräfte werden zwar dringend gebraucht, doch muss der Beruf auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit garantieren können. Was raten Sie der kommenden Generation, die vor der Entscheidung Ausbildung oder Studium steht?

Constance Ast: Ich rate jedem dazu, den Beruf zu wählen, für den das Herz schlägt und für den man sich begeistern kann. Dementsprechend dann natürlich auch die Ausbildung bzw. den Ausbildungsweg zu wählen.  Wenn der gewählte Bereich Spaß macht, macht man es schon fast automatisch gut, da die Begeisterung und der Eifer für die Ausbildung nicht erzwungen werden müssen. Es macht übrigens aber auch keinen Sinn, eine Tischlerlehre zu machen, wenn man 2 linke Hände und überhaupt keine Lust auf das Material hat.

Dieses Jahr sind erneut 15.000 weniger Lehrstellen angeboten worden. Hinzu kommt, dass trotz des geringeren Angebots ein großer Teil der Lehrplätze unbesetzt bleibt. Welche Prognose geben Sie für die Ausbildungsbranche?

Constance Ast: In Baden-Württemberg haben wir häufig das Thema unbesetzter Lehrstellen. Eventuell fehlt es hier auch etwas an Flexibilität von Ausbildungsplatzsuchenden sich deutschlandweit zu bewerben und Angebote anzunehmen. Häufig unterstützen Ausbildungsbetriebe auch bei der Zimmersuche oder stellen diese sogar zur Verfügung. Die Zukunft der Ausbildungsbranche sehe ich mit gemischten Gefühlen. Mein zentraler Punkt ist und bleibt die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung dieser Berufe einhergehend mit einer gerechten Entlohnung.

Frau Ast, vielen Dank für das Gespräch!

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