Felix Bircheneder: Die Berufswelt wird komplexer

Felix Bircheneder von der Augsburg Business School im Interview. Mit ihm sprechen wir über Rollenkompetenzen von Managern, konkrete Strategien sowie Kommunikationstraining.

Es gibt eine zunehmende Zahl von Instituten und freien Trainern, die das Internet mit Angeboten im Managementtrainings-Sektor überschwemmen. Was macht einen erfolgreichen Manager eigentlich aus, und benötigt der überhaupt ein Führungskräfte-Seminar?

Felix Bircheneder: Manager*innen müssen heutzutage Rollenkompetenzen zeigen. Die Berufswelt wird komplexer, diverser und die Ansprüche steigen. Die Frage ist also: Wie kann ich als Führungskraft den unterschiedlichen Interessengruppen meiner Arbeit gerecht werden? Denn eine Verfehlung steht 1 Stunde später auf LinkedIn, KUNUNU oder Insta. In einem guten Training erhält man daher eine Reflexion und einen Spiegel, wo man bei den unterschiedlichen Rollen steht. Es spiegelt Handlungsmuster wider. Und es gibt konkrete Strategien und Tipps wie man diese unterschiedlichen Rollen besser leben kann.

Wenn ja, warum sind zunehmend weitere Kompetenzen heutzutage für Manager gefragt?

Felix Bircheneder: Außer der Rollenkompetenz werden fachliche Fähigkeiten gefragt sein und hier trennt sich die Spreu von Weizen bei den professionellen Anbietern. Wir merken, dass die fachliche Welt immer weniger stark in den Fokus gerückt wird.

Zentral werden Kommunikationstrainings (mit zweifelhaften Strategien) organisiert – weil man den Inhalt selber versteht. Die Fähigkeit beratend zu verkaufen, Ansprüche an die Berichterstattung zu nachhaltigen Kriterien, Prozesse zu digitalisieren, Change und Innovationsmanagement – bei diesen Themen wird es eng. Wir erfahren immer wieder, dass die meisten Führungskräfte nicht das Gefühl haben, ihren Job „State of the Art“ umsetzen zu können. Dass ich dann nicht souverän führen kann, liegt auf der Hand. Daher ist ein Baustein unserer Leadership-Ausbildung immer auch eine individuelle Fachausbildung. Es wird komplexer und man kann selber von der eigenen Führungskraft nicht mehr alles lernen.

Sind quantitative Ziele wie Wachstum, Rendite und Umsatz immer noch der Hauptfokus einer Managementspitze?

Felix Bircheneder: Die neuen ESG Kriterien, als auch das Postulat der vereinten Nationen zur Nachhaltigkeit, zeigen ja eindeutig, dass es zusätzliche Ziele gibt. Aber wir alle wollen eine Altersversorge die sicher ist. Und das geht, wenn Geld da ist. Dafür braucht es eine Gelddruckmaschine oder Gewinne in den Firmen, die versteuert werden. (nichts gegen eine Gelddruckmaschine 🙂 ) Aber heute wird bei Gewinnen kritisch hinterfragt, unter welchen Umständen diese zustande kommen- ein guter Weg. Das bedeutet aber noch mehr Druck auf die Führungskräfte. Deswegen braucht es Profis, die unterstützen. Und deswegen braucht es Beratungen, die nicht nur den Weg zeigen, sondern auch den Weg selbst darstellen, dass Unternehmen hier schneller von A nach B kommen. Diesen Anspruch haben wir auch an unsere Beratung, die unsere Business School ergänzt.

Können Sie kurz erklären, was ein Managementtraining umfasst und welche gängigen Lernziele verfolgt werden?

Felix Bircheneder: Reflexion:  Datenbasiert und schonungslos.           

Strategien und Tools: Konkret, wissenschaftlich belegt, anwendbar

Rollen-Kompetenzen vermitteln: Vom Coach zum Organisation-Optimierer (m/w/d)

Ist ein Managementtraining sinnvoll und kann das Führungsverhalten dadurch wirklich nachhaltig verbessert werden?

Felix Bircheneder: Das Potenzial ist da und unsere Studien und Begleitung geben uns hier Rückenwind. Die Frage dabei ist: Was ist ein Managementtraining? Ein 4-Tages-Kurs ist besser als gar nichts, bringt aber genauso viel wie ein 4-Tages-Spanisch-Kurs.

Es gilt das Postulat, sich dauernd mit dem Thema zu befassen. Ein gutes Programm unterstützt hier mit Angeboten, die begleiten. Es gilt, die Bruttozeit zu verlängern (dabei mindestens 1 Jahr) und die Nettozeit zu verringern. Man braucht also ein Programm, das sehr lange begleitet, Tools an die Hand gibt und immer wieder intensive Bausteine von 30 Minuten bis 2 Tagen im Grünen enthält. Und ja, diese Programme sind effektiv – oder um es mit den Worten eines Managers, der in den Ruhestand geht, zu sagen: „Ich wollte hier nur rein, um ein Zeichen zu setzen, dass wir älteren uns auch entwickeln können. Jetzt frage ich mich: Wo seid ihr am Anfang meiner Karriere gewesen? 😊“

Was halten Sie vom Training für Führungskräfte und worauf sollte bei der Wahl der Trainings-Seminare und des Coaches geachtet werden?

Felix Bircheneder: 5 Fragen sollten da gestellt werden:

Fragen: Ist es ein Team? Unterschiedliche Blickwinkel bereichern jede Weiterbildung.

Steht ein Institut im Hintergrund, das Qualität und Leistung verbürgt?

Werden digitale Tools benutzt? Eine Ärztin, die nur mit Handauflegen arbeitet, ist ja auch veraltet.

Gibt es ein Ökosystem, das einen weiterhin mit Energie versorgt?

Kommt jemand aus der Praxis und ist er da auch regelmäßig tätig? Lehrer gab es in der Schule. Geschichten aus dem aktuellen Leben sind ein Lernbooster.

Herr Bircheneder, vielen Dank für das Gespräch!

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