Nadine Rebel: Der Blick über den Tellerrand ist wichtig

Nadine Rebel ist Trainerin und Coach Rebel Management Training in Augsburg. Mit ihr sprechen wir über Angebote im Managementtrainings-Sektor, quantitative Ziele sowie Souveränitätstraining.

Es gibt eine zunehmende Zahl von Instituten und freien Trainern, die das Internet mit Angeboten im Managementtrainings-Sektor überschwemmen. Was macht einen erfolgreichen Manager eigentlich aus, und benötigt der überhaupt ein Führungskräfte-Seminar?

Nadine Rebel

Nadine Rebel: Interessante Frage. Wirtschaftlich und aus Marketinggründen müsste ich automatisch mit „Ja, natürlich!“ – antworten. Sie haben vollkommen Recht. Es gibt Management-Trainings wie Sand am Meer und nein, ein Manager benötigt nicht zwangsläufig ein Seminar, um erfolgreich sein zu können, denn das würde ja bedeuten, dass es vor den Angeboten der Branche „Training für Manager (m,w,d)“ keine erfolgreichen Personen in diesem Sektor gegeben hätte.

Wenn ja, warum sind zunehmend weitere Kompetenzen heutzutage für Manager gefragt?

Nadine Rebel: Die Kompetenzen, die immer schon gefragt waren und heute mehr denn je gefragt sind, sind für mich charakterstärkende Persönlichkeitskompetenzen: Loyalität, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Authentizität, Empathie, Umsicht, Weitsicht, eine gewisse Portion Pragmatismus, Souveränität. Schöne viele und schöne schwammige Begriffe, die man kaum „lernen“, aber eben trainieren kann. Umsichtiges und langfristiges Denken, Fehler eingestehen können, den gesunden Menschenverstand einsetzen und nicht ausschließlich immer nur auf den Gewinn schielen, bzw. nur diesen im Blick haben. Sie sehen, ich bin ein bisschen naiv. Aber ich bin auch nicht das typische Exemplar einer Management-Trainerin.

Sind quantitative Ziele wie Wachstum, Rendite und Umsatz immer noch der Hauptfokus einer Managementspitze?

Nadine Rebel: Das habe ich schon kurz oben erwähnt. Ja leider. Ich persönlich glaube nicht, dass ein Manager als gut bewertet werden wird, der sein Team zusammenhalten kann, aber binnen eines oder maximal zwei Jahren keine wachsende Rendite und einen höheren Umsatz vorweisen kann. Das ist falsch. Wie es den Menschen geht, ob er/sie/es es schafft, ein gutes Team aufzubauen und auch in schwierigen Zeiten zu halten, ob ein Manager Menschen durch Wertschätzung dazu motivieren kann, noch mehr und das gerne für das Unternehmen zu geben – all das wird nicht gefragt und steht bei den wenigsten Menschen an erster Stelle der Prioritätenliste.

Können Sie kurz erklären, was ein Managementtraining umfasst und welche gängigen Lernziele verfolgt werden?

Nadine Rebel: Nein, weil es nicht „das“ Management-Training gibt. Gängige Lernziele? Menschen sind doch keine Maschinen und wir haben doch keinen Lehrplan zu erfüllen. Es mag durchaus Antworten auf diese Fragen gebe, ich kenne sie nicht, weil ich anders arbeite.

Zunächst wird darauf geachtet, was die Menschen, die in ein solches Training kommen, wirklich brauchen und dann wird das Training darauf ausgerichtet. Natürlich gibt es die wichtigen Klassiker, die ich für sehr wertvoll erachte. Gesprächsführung, Konfliktmanagement, Rhetorik…. GÄHN! (Die meisten Seminare – meine natürlich nicht (schmunzel) – sind ja auch todlangweilig). Schade eigentlich, weil sie so wichtig sind und so spannend sein können.

Souveränitätstraining ist eines meiner Lieblingsthemen. Was bedeutet überhaupt Souveränität? Souveränität ist eine Mixtur aus Menschlichkeit, Wissen, Auftreten, Würde und Humor. Wenn ich gebucht werde, so gehen meine Mandanten und Mandantinnen schon einen außergewöhnlichen Weg, eben weil sie nicht das „klassische“ Management-Training suchen. Insofern kann ich Ihnen nur sagen, was ich immer schon abgelehnt habe: Wenn ich als externer Berater oder Coach zu Personen oder in ein Unternehmen komme und den Leuten erzählen möchte, dass ich besser wissen würde, was sie zu tun haben und ihnen noch dazu erklären will, was sie bisher alles „falsch“ gemacht haben. Dieses Vorgehen ist nicht schön und kann nur auf Ablehnung stoßen. Mein Ansatz ist ein anderer.

Ist ein Managementtraining sinnvoll und kann das Führungsverhalten dadurch wirklich nachhaltig verbessert werden?

Nadine Rebel: Ja, natürlich. Mit dem richtigen Aufbau, der richtigen Gestaltung, der passenden Herangehensweise schon. Leider sind die meisten Seminare und Coachings mit Gedankenwölkchen und Power Point Präsentationen eher nicht dazu geeignet.

Was halten Sie vom Training für Führungskräfte und worauf sollte bei der Wahl der Trainings-Seminare und des Coaches geachtet werden?

Nadine Rebel: Zum Abschluss muss ich über Ihre Fragestellung erneut schmunzeln. Wie könnte ich von „Training für Führungskräfte“ nichts halten, wenn ich es selbst anbiete?

Das Unternehmen/die Führungskraft sollte wissen, was nach dem Training anders werden soll. Kein Gießkannenprinzip, keine Fortbildung als „Incentive“. Die Chemie muss stimmen, der Trainer/die Trainerin kann auch mal unbequem sein. Der Blick über den Tellerrand ist wichtig, nicht die 60-seitige PPP und ein Moderationskoffer.

Frau Rebel, vielen Dank für das Gespräch!

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