Thomas Frey: Einstellung sollte nur auf Basis eines persönlichen Gespräches erfolgen

Thomas Frey ist Inhaber von Personalpotential in Mülheim an der Ruhr. Mit ihm sprechen wir über künstliche Intelligenz, Online-Bewerbung sowie persönliches Gespräch!

Thomas Frey (Portrait Illustration)

Die künstliche Intelligenz (KI) spielt im alltäglichen Leben mehr und mehr eine Rolle. Schon heute kommt man unbewusst mit der KI in Kontakt. Neben dem privaten Nutzen der KI unterstützt sie auch zunehmend im Beruf. Wie kann artifizielle Intelligenz im Recruiting behilflich sein?

Thomas Frey: Mit Beginn der Jahrtausendwende wurden Bewerber immer häufiger dazu aufgefordert, mittels Online-Formularen eine Bewerbung einzureichen. Die Bewerbungsunterlagen wurden hochgeladen, durften seinerzeit jedoch nur eine sehr geringe Dateigröße (z.B. 1 MB) aufweisen.

Schon in diesen Anfangsjahren der „Online‐Bewerbung“ filterten erste Software‐Systeme bestimmte Bewerber heraus, ohne dass ein menschliches Zutun erforderlich war.

Falls ein Kandidat bestimmte Kriterien nicht erfüllte, z.B. „Berufserfahrung <= 3 Jahre wurde aussortiert, wer beispielsweise das Feld Studienabschluss nicht wie gewünscht ausfüllen konnte, erhielt automatisiert einen ablehnenden Bescheid.

Derzeit gibt es diverse unterschiedliche digitale Tools, welche den Bewerbungsprozess automatisieren und den Personalern die Arbeit enorm erleichtern.

Chatbots, auch Recruitingbots oder Careerbots genannt, sind digitale Chatpartner, mit denen der Bewerber auf der Unternehmensseite oder in Facebook, Whatsapp und Co hin und her schreiben kann, ganz automatisiert, ohne dass ein Personaler oder ein anderer Mensch beteiligt ist.

Derzeit werden (mehr oder weniger noch vereinzelt) Vorstellungsgespräche via Robotik geführt. Hierbei handelt es sich um eine „Roboter“‐Stimme mit einer dahinter geklemmten KI. Dabei stellt die Maschine standardisierte Fragen und die künstliche Intelligenz wertet Ihr Persönlichkeitsprofil anhand Ihrer Antworten aus.

Zunehmend setzen Unternehmen auf Algorithmen, um neue Mitarbeiter auszuwählen. Welche Vor‐ und Nachteile hat diese Entscheidungsstrategie?

Thomas Frey: Ein Algorithmus analysiert Lebensläufe oder E‐Mails sowie die Eingaben in Online-Portalen schnell und effektiv. Dabei sucht diese Spezialsoftware nach diversen Keywords oder prüft Zeitspannen und Datumsangaben.

Vorteil: Durch die Automatisierung entsteht eine erhebliche zeitliche Einsparung für die Unternehmen bei der Vorauswahl.

Nachteil: Wenn sich eine Person, welche auf Jobsuche ist, sich nicht wirklich bewusst mit den Keywords beschäftigt, dann fallen solche Menschen schnell „durchs Raster“.

Immer seltener entscheidet eine Person darüber, wer es in die engere Auswahl schafft. Was müssen Bewerber bei einer KI‐Auswertung der Bewerbungen beachten?

Thomas Frey: Hier möchte ich klar betonen, wie wichtig die Verwendung von beruflich bezogenen Keywords ist. Damit der Algorithmus „ihr“ Profil herausfischt, verwenden Sie Begriffe in Bezug auf Ihre fachliche Kompetenz, wie beispielsweise „Konstruktion“, „Web‐Design“, „E‐Commerce“ oder „strategischer Einkauf“. Hobbys, wie Reiten, Schwimmen oder Fußball sind nicht von Interesse, auch nicht Werte wie Zuverlässigkeit oder Disziplin. Nach solchen Begriffen wird nicht gesucht.

Wie können sich Bewerber die KI im Bewerbungsprozess noch zu Nutzen machen?

Thomas Frey: Hier empfehle ich klar, sich mit der beschriebenen Aufgabe zu befassen und sich z.B. auf diverse Punkte in einer Stellenausschreibung zu beziehen. Wird beispielsweise ein Bauleiter für den Innenausbau gesucht, welcher eine Bauzeitenplanung verantworten soll oder eine bestimmte Software beherrschen soll, wie Arriba, dann empfehle ich solche fachspezifischen Wörter aufzunehmen und in der Bewerbung zu verwenden.

Geht es um KI im Recruiting, gehen die Meinungen von Experten auseinander. Was halten Sie von artifizieller Intelligenz im Bewerbungsprozess?

Thomas Frey: Ich empfehle den Einsatz solcher Tools auf jeden Fall, da zum einen die Bewerber dazu aufgefordert werden, sich mit einer zu besetzenden Stelle zu befassen. Zum anderen wird die Auswahl für die HR‐ Abteilungen enorm vereinfacht.

Wichtig ist jedoch, eine Einstellung sollte nur auf Basis eines persönlichen Gespräches erfolgen, denn nur dort wird die Persönlichkeit eines Menschen sichtbar. Und nur im persönlichen Gespräch vermittelt ein Mensch durch die Kombination von Mimik, Gestik, Blickkontakt und das Gesagte einen bewertbaren Gesamteindruck.

Herr Frey, vielen Dank für das Gespräch!

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