Peter Mattil: Insolvenz der P&R-Gruppe

Peter Mattil ist selbständiger Rechtsanwalt in München. Mit ihm sprechen wir über Gründe für die Insolvenz der P&R-Gruppe, Konsequenzen für Kleinanleger sowie Anlagenbetrug.

Die Insolvenz der P&R-Gruppe gehört zu den größten Wirtschaftskrimis in der deutschen Finanzgeschichte. Was war das Geschäftsmodell von P&R?

Peter Mattil

Peter Mattil: Die Anleger konnten sog Schiffs-Container erwerben, und zwar als direktes Eigentum, mit der entsprechend steuerlichen Abschreibung. Die P&R kümmerte sich um die Vermietung und Verwaltung der Container, der Anleger bekam eine regelmäßige Miete und nach 5 Jahren kaufte die P&R die Container zurück.

Welche Hintergründe hat die P&R-Insolvenz? Wer trägt die Schuld? 

Peter Mattil: Die P&R warb bis zu einer Milliarde von Anlegern pro Jahr ein, kaufte aber seit Jahren kaum noch Container, die Geld erwirtschaftet hätten. Das Kapital der Neu-Anleger wurde dazu verwendet, es den Altanlegern als vermeintliche Miete auszubezahlen. In 2017 hatte die P&R ca. 1 Milliarde Verbindlichkeiten (Mieten und Rückkäufe) gegenüber den Anlegern, warb aber nur noch 500 Mio. neues Kapital ein. Gründer und Alleinherrscher über die P&R war Heinz Roth. Er hat alles alleine kontrolliert. So zumindest der heutige Kenntnisstand. Herr Roth ist 2019 verstorben.

Welche Konsequenzen hat der Skandal für Kleinanleger?

Peter Mattil: Die Insolvenz wird eine Quote von ca. 25 bis 30 % bringen, der Rest ist Verlust. Nach der Insolvenz gab es wieder einige neue Vorschriften zum Anlegerschutz, vor allem in Vermögensanlagen.

Wie gut stehen die Chancen für die geschädigten Anleger, wenigstens einen Teil ihres Investments zurückzubekommen?

Peter Mattil: Aus der Insolvenz hoffentlich 25-30%, außerdem werden wir die Wirtschaftsprüfer verklagen. Was dabei herauskommt, kann man noch nicht sagen.

Der Service des Unternehmens war getrennt in Verkauf in Deutschland und Vermietung in der Schweiz. Müssen die Anleger ggf. sogar Gelder an die insolventen Gesellschaften zurückzahlen?

Peter Mattil: Der Insolvenzverwalter fordert die Auszahlungen der letzten 4 Jahre zurück und führt derzeit mehrere Pilotverfahren zu der Berechtigung der Rückforderung.

Die Staatsanwaltschaften haben Ermittlungen aufgenommen. Ist P&R nur insolvent oder handelt es sich um Anlagenbetrug?

Peter Mattil: Anlagebetrug, Schneeballsystem, wie bereits erläutert.

Herr Mattil, vielen Dank für das Gespräch!

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