Astrid Hackenesch-Rump: Diskriminierung verhindern

Astrid Hackenesch-Rump ist Pressesprecherin der Berliner Wasserbetriebe in Berlin. Mit ihr sprechen wir über das Landesgleichstellungsgesetz, gendergerechte Sprache sowie Diskriminierungsprävention.

Die FAZ und die Hochschule Darmstadt haben in einer Umfrage herausgefunden, dass 16 von 30 DAX-Unternehmen die Einführung von gendergerechter Sprache planen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Astrid Hackenesch-Rump: Wir unterstützen das. Die Wasserbetriebe sind durch das Landesgleichstellungsgesetz aufgefordert, sowohl männliche als auch weibliche Schreibweisen zu verwenden. Um hier alle Identitäten angemessen zu berücksichtigen, hat sich das Unternehmen entschieden, den Doppelpunkt zu verwenden, etwa beim Kund:innenbeirat, einem Gremium, für das wir gerade Bewerbungen entgegennehmen. Diese Schreibweise wird derzeit im Unternehmen etabliert.

Gendergerechte Sprache soll Diskriminierung verhindern, plant Ihr Unternehmen ähnliche

Maßnahmen und welche Diskriminierungsprävention nutzen Sie?

Astrid Hackenesch-Rump: Bei den Wasserbetrieben gibt es eine VIelzahl von Angeboten und Maßnahmen, die Diskriminierung verhindern und die Sensibilität für Diversity erhöhen sollen – allen voran die Dienstvereinbarung Partnerschaftliches Verhalten, an die jede:r Mitarbeiter:in gebunden ist. Sie beschreibt nicht nur die Werte, die für uns im kollegialen Miteinander gelten – Respekt, ein Begegnen auf Augenhöhe und ein Bewusstsein für die Unterschiede, die unsere Zusammenarbeit bereichern – sondern auch den konkreten Weg, den gehen kann, wer Diskriminierung erlebt oder beobachtet. Ein Team Partnerschaftliches Verhalten steht in solchen Fällen als Ansprechpartner:innen zur Verfügung, Betroffene bleiben auf Wunsch anonym. Außerdem versuchen wir durch verschiedene Aktionen zum Diversitytag, der Teilnahme am CSD auf der Spree, sowie Programmen wie Seitenwechsel und Schichtwechsel unseren Beschäftigten einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen, umso Empathie und Toleranz für andere Lebensweisen und -formen zu stärken und Verständnis füreinander zu schaffen. Bei den erwähnten Programmen hospitieren Beschäftigte der Wasserbetriebe für einen Tag oder mehrere Wochen in einer sozialen Einrichtung ihrer Wahl, etwa einem Hospiz oder einer Behindertenwerkstatt.

Zukünftig soll es ein Schulungskonzept geben, das Schulungsangebote zu Diversity und Anti-Diskriminierung für Führungskräfte und Beschäftigte anbietet.

Glauben Sie, dass gendergerechte Sprache bei Kunden besser ankommt und damit dem Absatz steigern kann?

Astrid Hackenesch-Rump: Da in Berlin nur unser Wasser aus der Leitung kommt, ist die Absatzförderung für uns nicht der entscheidende Punkt. Aber wir glauben, dass jede:r Kund:in Anspruch darauf hat, gesehen und korrekt angesprochen zu werden – und das sich dies im Zweifel positiv auf die Kund:innenbeziehung auswirkt. Negative Reaktionen, die wir in unseren Social-Media-Kanälen mitunter auf das Gendern erhalten, bringen uns davon nicht ab.

Wie hoch ist der Frauenanteil in Ihrem Unternehmen? Und verdienen Frauen bei Ihnen so viel, wie die Männer im gleichen Beruf?

Astrid Hackenesch-Rump: Historisch betrachtet sind die Wasserbetriebe ein männerdominiertes Unternehmen, der Frauenanteil im gesamten Unternehmen liegt bei 31,4 %, unter den Führungskräften, die direkt an den Vorstand berichten, bei 50 %. Von drei Vorständ:innen ist eine weiblich, unser Aufsichtsrat ist paritätisch besetzt. Vor einigen Jahren haben wir die Entgeltgerechtigkeit bei den Wasserbetrieben mit dem Instrument des eg-Check untersuchen lassen. Das Ergebnis: Gender Pay Gap – 0%, bei uns verdienen Männer und Frauen in gleichen Berufen gleich viel Geld.

Frau Hackenesch-Rump, vielen Dank für das Gespräch!

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