Marcelo Peerenboom: Trinkwasser ist das günstigste Lebensmittel

Marcelo Peerenboom ist Fachbereichsleiter Kommunikation und Pressesprecher Energieversorgung Mittelrhein AG in Koblenz. Mit ihm sprechen wir über vermehrte Niederschlagsmengen, Gefahr von Pestiziden im Grundwasser sowie Entsalzung von Meerwasser.

15.04.2020, Rheinland-Pfalz, Koblenz-Oberwerth: Bohrungen für den Brunnen 4 am Wasserwerk Oberwerth. Foto: Sascha Ditscher/evm

Immer mehr Experten warnen vor sinkenden Grundwasserspiegeln. Stehen wir in Deutschland vor einem Wasserproblem?

Marcelo Peerenboom: Auch wenn wir in diesem Jahr vermehrte Niederschlagsmengen feststellen konnten, hat dies nicht ausgereicht, um die Trockenheit der vergangenen Jahre auszugleichen. Der Niederschlag geht auch nicht direkt ins Grundwasser ein. Insofern ist die Gefahr dauerhaft niedrigerer Grundwasserspiegel durchaus gegeben. Wir selbst beziehen unser Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheins und einem landseitigen Zustrom mit unterschiedlich langen Fließzeiten im Untergrund mit einer Dauer zwischen acht und mehr als 100 Tagen. Wir sind daher weitgehend unabhängig von Extremwetterereignissen und hatten bisher noch nie Probleme in der Wasserversorgung.

Gefährden Pestizide im Grundwasser unsere Gesundheit?

Marcelo Peerenboom: Trinkwasser ist eines der besten und am strengsten kontrollierten Lebensmittel. Wir kontrollieren unser Trinkwasser permanent auf seine Zusammensetzung. Da unser Trinkwasser nicht aus dem Grundwasser stammt, sondern aus dem Uferfiltrat des Rheins, hat es bei uns bisher keine Belastungen durch Pestizide gegeben.

Wasser ist essentiell zum Leben. Aber was ist Wasser aus finanzieller Sicht eigentlich wert?

Marcelo Peerenboom: Trinkwasser ist nach wie vor das günstigste Lebensmittel, das den Bürgern zur Verfügung steht. Den Wert des Wassers finanziell zu bemessen, wäre sicherlich interessant. Solche Berechnungen haben wir nicht angestellt. Die Kosten der Trinkwasserproduktion werden aufgrund landesrechtlicher Vorgaben über den Wasserpreis finanziert.

Weltweit steigen die Temperaturen. Wird die Welt zur Wüste?

Marcelo Peerenboom: Der wissenschaftlichen Berichterstattung können wir entnehmen, dass aufgrund der Wetterphänomene und des Klimawandels die Polkappen zusehends schmelzen, teilweise extreme Trockenheit herrscht und wiederum viel Wasser in der Atmosphäre vorhanden ist. Wir rechnen jedoch nicht damit, dass die Welt zur Wüste wird.

Es gibt ja auch technische Lösungen Trinkwasser herzustellen. Ist die Entsalzung von Meerwasser eine Lösung?

Marcelo Peerenboom: Als regionaler Wasserversorger stehen uns mit Stand heute ausreichende Süßwasservorkommen zur Verfügung. Wir haben uns daher mit der Entsalzung von Meerwasser bisher nicht befassen müssen.

Herr Peerenboom, vielen Dank für das Gespräch!

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