Martin Katz: Die Vielfalt Deutschlands wird immer deutlicher

Martin Katz ist verantwortlich für die Eigenanreise bei FTI Touristik. Mit ihm sprechen wir über Auslandsreisen, Beliebtheit Deutschlands als Reiseziel sowie Stornierungsoptionen.

Eine Analyse von Trivago deutet darauf hin, dass die Deutschen ihren Urlaub vermehrt im eigenen Land verbringen. Welche Auswirkung stellen Sie im Tagesgeschäft fest?

Martin Katz

Martin Katz: Zur Einordnung muss man kurz festhalten, dass der Großteil unserer Gäste in die klassischen Beach- und Badedestinationen wie die Türkei, Griechenland oder Spanien reist. Deutschland ist aber im Bereich der Eigenanreise immer schon sehr beliebt gewesen und erfährt seit Jahren zunehmende Nachfrage, weswegen wir unser Angebot bereits vor der Pandemie deutlich ausgebaut hatten. Corona hat in dieser Entwicklung nochmals einen gewissen „Turboeffekt“ ausgelöst – viele andere Destinationen waren leider nicht oder nur für gewisse Zeitfenster bereisbar, sodass unsere Gäste umdisponieren mussten oder wollten. Da die Kapazitäten an den Küsten und im Alpenvorland aber begrenzt sind, war dies nun die Möglichkeit, dass auch die Regionen der „2. Reihe“ glänzen und sich vielen Gästen gegenüber beweisen durften. Man könnte also sagen, dass die Vielfalt Deutschlands jetzt nochmals deutlicher geworden ist.

Glauben Sie, dass Deutschlands Beliebtheit als Reiseziel auch nach der Corona noch Bestand haben wird?

Martin Katz: Wir gehen fest davon aus, dass die Nachfrage für Deutschland hoch bleiben wird. Viele Urlauber, die erstmals eine längere Auszeit in Deutschland gebucht haben, sind überrascht, wie schön und facettenreich das eigene Land ist. Zudem wird der Trend zur Natur, zu individuellen Erlebnissen und zur Sicherheit im eigenen Land bleiben und den Inlandstourismus weiter fördern.

Welche Chancen sehen Sie in der aktuell hohen Nachfrage für lokale Anbieter?

Martin Katz: Entscheidend für das optimale Kundenerlebnis ist ein stimmiges Preis-Leistungsverhältnis und das kann in Deutschland mit vielen anderen Urlaubsländern sehr gut mithalten. Mit lokalen Anbietern, die ihre Umgebung bestens kennen, lässt sich der Aufenthalt ideal mit besonderen, spezifischen Erlebnissen anreichern, die dann die Ferien unvergesslich machen. Das führt oftmals zu Stammkundschaft und einer starken, individuellen Weiterempfehlung. Die hohe Nachfrage ist damit auch eine Chance, mittel- und langfristig für Deutschlandreisen zu begeistern.

Welche Risiken bergen vermehrte Nachfragen nach Stornierungsoptionen für Ihren Geschäftszweig?

Martin Katz: Bei FTI bieten wir schon seit langem im Bereich Städtereisen eine kostenlose Stornierungsmöglichkeit bis 24 Stunden vor Anreise an, im Bereich der Eigenanreise sind es 14 Tage. Für die meisten Flugreisen haben wir den FLEXPLUS-Tarif eingeführt, der gegen einen geringen Aufpreis (je nach Höhe des Reisepreises ab 58 Euro pro Buchung) kostenfreies Stornieren oder Umbuchen bis 15 Tage vor Reisebeginn ermöglicht. Durch das Angebot dieser Storno-Optionen alleine haben wir keine nennenswert höhere Stornoquote festgestellt und sind sicher, mit dieser kundenfreundlichen und flexiblen Regelung den richtigen Weg im Sinne des Kundenservices zu gehen. Gerade in diesen Zeiten suchen Urlauber mehr denn je diese Flexibilität und die Sicherheit, die ein Reiseveranstalter bieten kann.

Lohnt es sich für kleinere lokale Anbieter, Benefits für Bewertungen anzubieten?

Martin Katz: Wichtiger sind aus unserer Sicht ein durchgängig qualitativ gutes Angebot und eine seriöse Kommunikation zum Beispiel über uns als Reiseveranstalter. Deshalb führen wir auch regelmäßig Qualitätschecks durch, denn nichts ist für uns und den Anbieter schädlicher als Gäste, deren Erwartungen nicht erfüllt werden. Da helfen dann auch „gekaufte“ Bewertungen nichts.

Herr Katz, vielen Dank für das Gespräch!

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