Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger: Die Männerpflege boomt

Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger sind Gründer von RINGANA. Mit ihnen sprechen wir im Interview über Naturkosmetik, deren Vorteile sowie nachhaltige Rohstoffe.

Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger

Welche Kriterien müssen Kosmetikprodukte Ihrer Meinung nach erfüllen und was unterscheidet sie von herkömmlichen Produkten?

Andreas Wilfinger: Beim Begriff Naturkosmetik handelt es sich um einen nicht geschützten Begriff, somit ist es schwierig, Richtlinien dafür zu definieren. RINGANA erzeugt zum Großteil Naturkosmetik-zertifizierte Produkte. Diese Siegel garantieren eine hohe Qualität und gewisse Umweltstandards. Dabei gibt es z.B. das COSMOS-Siegel – hier ein Ausschnitt aus den Kriterien, welche für das Erlangen einer COSMOS- (Naturkosmetik)-Zertifizierung erfüllt werden müssen:

• Keine Nanomaterialien

• Keine Bestrahlung mit Gamma- oder Röntgenstrahlung

• Keine GMOs (gentechnisch veränderte Organismen)

• Nur RSPO-zertifiziertes Palmöl

• Qualitativ hochwertige Rohstoffe (keine Verunreinigung durch Schwermetalle, aromatische

Kohlenwasserstoffe, Pestizide…)

• Keine Rohstoffe, die von lebenden oder geschlachteten Tieren extrahiert werden

• Gewisse biologische Abbaubarkeit muss gegeben sein

• Kein Mikroplastik

Jedes Produkt, welches in der EU auf den Markt kommt, muss den Regulatorien der EU- Kosmetikverordnung entsprechen. RINGANA stellt jedoch sogenannte Frischekosmetik her, die der Naturkosmetik im klassischen Sinne noch „eines draufsetzt“. Unsere Produkte beinhalten keine künstlichen & in der EU-Verordnung gelisteten Konservierungsstoffe, sondern wir setzen auf so genannte Multifunctionals, die vorrangig die Wirkung im Fokus haben (z.B. feuchtigkeitsspendend / pflegend) und erst zum zweiten für ein mikrobiell solides Produkt sorgen. Diese Stoffe konservieren nur so viel und unbedingt nötig, um ein sicheres Produkt für die AnwenderInnen anbieten zu können. Deshalb haben unsere Produkte ein Ablaufdatum, auf das wir stolz sind. Produziert wird in kleinen Chargen, um Lagerzeiten so gut als möglich zu minimieren aber dennoch eine ständige Verfügbarkeit zu garantieren. Abgesehen davon, dass wir bewusst nur Rohstoffe, die absolut rein und wirkungsvoll sind und auf mineralölbasierte Inhaltsstoffe, Stabilisatoren, PEG-Emulgatoren, Formaldehyd, Silikone, Nanopartikel und weitere, umweltschädliche Substanzen verzichten, ist unser bestes Argument die Frische. Erst dadurch ist der Einsatz von empfindlichen, hoch-antioxidativen Naturstoffen überhaupt möglich. Beschaffung, Verarbeitung bis hin zu Logistik und den Verpackungen – alle unsere Prozesse sind immer auf dem neuesten Stand und für eine garantierte und einzigartige Frische optimiert.

Was sind die Vorteile von Naturkosmetik für die Anwenderinnen und Anwender? Was unterscheidet sie von herkömmlichen Kosmetikprodukten?

Ulla Wannemacher: Für Anwenderinnen und Anwender von RINGANA Produkten ist sicherlich die erwähnte Frische einer der größten Vorteile, denn dadurch können wir hochwirksame, aber schnell verderbliche antioxidative Wirkstoffe einsetzen, die der konventionellen Kosmetik verwehrt bleiben. Die Ergebnisse sind High-End- Produkte mit einer geballten Wirkungskraft – wovon natürlich auch der Kunde profitiert.

Außerdem sind wir ständig bestrebt, Gutes noch besser zu machen. Permanent werden weltweit neue Pflanzenstoffe entdeckt. Durch regelmäßiges Um- und Neuformulieren ist gewährleistet, dass die RINGANA Produkte immer maximale Leistung bieten und auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind. Wir halten unsere Produktpalette bewusst überschaubar und können so garantieren, dass dies immer auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden kann. Zertifizierte Naturkosmetik bieten zum einen den Vorteil, potenziell schadhafte Substanzen dem Körper nicht zuzuführen und die Haut mit frischen, pflanzlichen und natürlichen Inhaltsstoffen zu versorgen, zum anderen fördert sie die umweltfreundlichere Herstellung von Produkten – also ein „Win – Win“ für Mensch und Umwelt. Wir wollen unsere Kunden mit unseren Produkten begeistern und das gelingt nur, wenn wir selbst begeistert sind.

Wie wichtig sind nachhaltige Rohstoffe, Verpackungen usw.?

Andreas Wilfinger: Für uns ging es schon seit Anbeginn um Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Veganismus. Wir vergleichen unseren Nachhaltigkeitsgedanken gerne mit einem Mosaik: Viele Steinchen haben wir bereits besetzt, einige gilt es noch zu besetzen. Genau dieses unaufhörliche Streben nach Nachhaltigkeit macht uns sehr stolz. Darum haben wir unserem Nachhaltigkeitsprogramm auch einen Namen gegeben: RE*THINK. Es beinhaltet jedoch viel mehr: Unsere Rohstoffe stammen aus aller Herren Länder. Alle eingesetzten Rohstoffe haben die beste, am Weltmarkt im Moment verfügbare Qualität. Gibt es einen Rohstoff in der optimalen Qualität in räumlicher Nähe, wird dieser natürlich aus Gründen der Nachhaltigkeit regional eingekauft. Darauf dürfen unsere Kunden und Partner zu 100% vertrauen. Ein aktuelles Ergebnis ist unsere neue Verpackungslösung für die RINGANA DRINKS. Dabei wird die bisherige Kartonumhüllung durch modernen Faserguss ersetzt. Das ist eine Art Pappmaché, das aus Altpapier, nachwachsenden Faserstoffen wie Heu, Stroh, Hanf oder ähnlichem Zellstoffmaterial hergestellt wird. Dieser sehr umweltfreundliche Werkstoff ist zu 100 % recycel- und biologisch abbaubar, womit wir den ökologischen Fußabdruck sogar halbieren konnten. Neben unserem Packaging, einem eigenen Mehrwegkonzept (Anm. zehn zurückgeschickte Glasflakons für die Wiederaufbereitung ergeben ein kostenloses Kosmetikprodukt nach Wahl), der Reduktion von Plastik, Wasser und Energie setzen wir bereits in vielen Bereichen Maßnahmen, um unseren CO2 Fußabdruck möglichst klein zu halten.

Welches Ihrer Produkte ist am beliebtesten?

Ulla Wannemacher: Das wohl bekannteste und auch eines der beliebtesten Produkte ist nach wie vor unser FRESH tooth oil, denn es war das Erste seiner Art. Das war vor mehr als 25 Jahren, denn solange gibt es die Marke RINGANA schon. Anlass für die Produktidee war eine Zahnpasta, die der Sohn aus dem Kindergarten mit nach Hause brachte. Das brachte uns dazu genauer hinzusehen, was denn so in einer Zahnpasta steckt. So begann eine Recherche nach Alternativen. Fündig wurden wir beim russischen Ölziehen.

Unser FRESH tooth oil kommt dabei ganz ohne Mikroplastik, Formaldehydabspalter, Konservierungsstoffe & Co aus. Auszüge aus Kräutern reinigen und schützen den sensiblen Mundraum. Um die Wirkung noch weiter zu optimieren, gibt es seit Jahresbeginn ein ergänzendes Produkt, den FRESH tooth balm, welcher anstelle von Zahnpasta verwendet werden kann. Für ein optimales Ergebnis werden diese beiden Produkte kombiniert.

Stellen sie auch Kosmetikprodukte speziell für Männer her und wie schätzen Sie den Markt hierfür ein?

Andreas Wilfinger: Unsere Produkte sind unisex. Mit unserem FRESH moisturizer for men bieten wir jedoch eine Pflege an, die speziell für beanspruchte Männerhaut konzipiert wurde. Der Wirkstoffkomplex ist stark antioxidativ, feuchtigkeitsspendend und ausgleichend und die Textur zieht schnell ein. Aktuelle Zahlen bestätigen, dass Männerpflege boomt. Gerade junge Männer lassen sich gerne inspirieren. Dabei sollen Pflegelösungen eher unkompliziert, praktisch und zeitsparend sein.

Was denken Sie wie sich der Naturkosmetik-Markt insgesamt in den nächsten Jahren entwickeln wird?

Ulla Wannemacher: Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach „ehrlichen“ Beauty-Produkten, die ohne Zusatzstoffe oder synthetische Konservierungsstoffe auskommen, die auf Mikroplastik verzichten, vegan sind – das spricht für sich. Das war vor 25 Jahren, als wir RINGANA gründeten, noch kein Thema. Wir mussten dafür harte Pionierarbeit leisten.

Heute freuen wir uns darüber, dass nachhaltiges Wirtschaften endlich verstärkt in den Fokus rückt, denn dabei gibt es keine Alternative.

Was hat ihr Unternehmen für die nächsten Jahre geplant?

Andreas Wilfinger: Die Pandemie hatte auf unser Unternehmen zum Glück bisher kaum negativen Einfluss. Glücklicherweise mussten wir niemanden kündigen oder in Kurzarbeit schicken, was leider viele andere österreichische Unternehmen tun mussten. Trotz allem konnten wir unseren Umsatz 2020 um 38% auf 160 Millionen erhöhen. Diese erfreulichen Zahlen möchten wir 2021 natürlich ebenso erreichen. Seit Jahren wachsen wir kontinuierlich um 35-50%. Unser größtes Projekt ist derzeit sicherlich der weitere Ausbau unseres neuen, hochmodernen Standortes – den RINGANA Campus im Steirischen in St. Johann in der Haide. Die erste Bauphase ist bereits abgeschlossen und wir haben bisher auf rund 620 Mitarbeiter aufgestockt. Wir suchen jedoch noch viele weitere Mitarbeiter und bieten zahlreiche Lehrstellen mit den verschiedensten Ausbildungsschwerpunkten, denn dies war nur die erste von insgesamt drei Bauphasen.

Und natürlich haben wir immer den Anspruch an unser Unternehmen und unserer Produkte, stets innovativer und nachhaltiger zu werden.

Frau Wannemacher und Herr Wilfinger, vielen Dank für das Gespräch!

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